206 Nebergang zu der ritterl. Poesie der hohenstanf. Zeit.
Ettmüller herausgegebenc die rohen Züge des 14. Jahrhunderts einge-sügt hat, während die andere wenn nicht die Form doch den Geist undInhalt des 12. Jahrh. mehr sesthielt. St. Oswald erweitert den Kreisder Brautwerbungssagen. Hat man im Herzog Ernst eine Geschichts-sage an alte geographische Mythen geknüpft, im Rnother ein altes Ge-dicht an neue Geschichtsverhältnisse, so ist im St. Oswald der beliebteStoff einer kriegerischen Brautfahrt an die Legende geknüpft, die wir indiesem Jahrhundert so mächtig fanden. Auch hier sehen wir also dasZusammenstößen bisher getrennter Dinge, das rathlose Umirren derDichtungsstoffe. Mone hat die Achnlichkeiten dieses Gedichtes mit demOtnit hervorgehoben: die Werbung eines christlichen Königs um dieTochter eines heidnischen haben beide Gedichte mit einander gemein, undeben dieses Allgemeinste brachte auch die Geschichte des angelsächsischenOswald, der die Tochter des westsächsischcn Königs Kyncgil heirathcteund sammt dem Vater taufte, dem Dichter als eine Aufforderung entge-gen, dies Verhältnis; im Gewand der deutschen Sage darzustellen. Dierohe Behandlung, der stellenweise neckische Ton gegen das Christliche inder Bearbeitung des 14. oder 15. Jahrh., die schnurrigen Züge der Erfin-dung ähneln sehr dem burlesken Stile des Salomvn und Morolf. Os-wald will auf Rath eines Pilgrims Warmund, dessen erste Rede an daSTragemnndlicd erinnert, die Tochter des Heiden Aaron hcirathen, deralle Werber umbringt; die gefährliche Botschaft, die im Otnit der ElfeAlberich bestellt, soll Oswalds Rabe übernehmen, der auf Gottes GebotRedegabe empfängt. Die Freude, die der Dichter an diesem Thicre hat,ist durchaus dem Achnlichen im Ruodlieb und Herzog Ernst entspre-chend, und es wäre interessant, wenn man Nachweisen könnte, daß diespaßhaften Partien der Romane früher aus dem Thierreich, als aus derNarren- und Zwergcnwelt (Morolf und Alberich) entnommen wordenwären, wie die Unterhaltung der Ritterschaft früher Spiele mit Thierenals mit Hofnarren gewesen zu sein scheinen. Dem Raben wird auf seinBegehr sein Gefieder mit Gold beschlagen und eine goldene Krone aufsein Haupt gesetzt. Auf der Reise ruht er einmal auf dem Meere ausund verzehrt einen Fisch, da wird er von Meerweibern gefangen, vieKurzweil mit ihm treiben wollen; er erbittet sich erst was zu essen, Käseund Brot, Braten und Wein, dann führt er dieMeerwciber mit einer sehreinfachen List an, und entfliegt wieder auf seinen Felsen : uuäe Ile? äst
213) Das Abrichten von Vögeln zum Sprechen ist in Byzanz üblich gewesen undohne Zweifel von dorther den Abendländern bekannt geworden.