204 Uebcrgang zu der ritterl. Poesie dev hohcnstauf. Zeit.
behandelt, im griechischen Romane Jamblichus den Diogenes, HeliodorBeide nnd Achilles Tatins den Heliodor geplündert. Genau so ist esauch mit unserm Ruother. Er lehnt sich auf der Einen Seite, wie wirsagten, und wie schon Grimm hervorgehoben hat, an den Wolfdictrich.Gefangenschaft von Dienstmanncn, die dem Lehnsherrn nahe geht, „die-selben Grundzüge von Dienstmannschaft nnd Herrenpflicht," sind hierund dort. Als Hugdietrichs Brüder sich des Reichs anmaßen, gehenWolfdietrich undBcchtung in das Schloß und lassen ihre Leute im Waldeauf das Hornblasen warten; weiterhin verkleiden sie sich in Pilgrime,um nach den Gefangenen zu spähen, wobei wieder das Hornblascn ver-abredet wird. Diese Sagen kehren auf andere Weise im Ruother wieder.Ferner wollen die erlösten Dicnstlente Konstantinopel niederbrennen,denen es Wolfdictrich vergebens widecräth. Derselbe Zug ist wieder imRuother, wo aber die Ehrfurcht vor dem Hciligthume übcrwiegt^).
Von der Hagen auf der andern Seite fand mehr Annäherung anden Roman von Salomon und Morolf^), der ähnlichen Stoff,ähnliche Entführungen hin und her enthält und ganz in die Klasse dieserWerke gehört, deren allgemeinen Inhalt Werbungen in die Ferne umniegesehene Frauen, Weigerungen derselben aus Ucbermuth oder Stolz,Kreuz- und Kricgszüge und gewaltsame Brautfahrten bilden. In diesemGedichte gründet sich der Ausbau epischer Erzählung ans eine uralteUeberlicfcrung lehrhafter Sprüche. Der sprichwörtliche Theil dieser Dich-tung hat wie die meisten Werke dieser Zeit eine lateinische Quelle; ersetzt die derbe, unanständige, parodische Spruchweisheit des plebejischenMorolf gegen die erhabene des Salomo, ein volksthümliches Elementgegen das hierarchische, und mit dieser Eigenschaft mußte er in der Zeit,wo sich die lateinischen Dichter gegen die Kirche erhoben, großen Beifallfinden. Die rohen und späten Ueberarbeitungen des 15. Jahrhunderts,die wir von den deutschen Gedichten haben, weisen uns auf die Nieder-lande und auf dieZeit des 12.Jahrhunderts zurück; schon Frcidank kenntund erwähnt den Morolf^O), Wenn uns die IlontrscHoiio 8alomor>i5,die Pabst Gelasius im 5. Jahrhundert schon als apokryphisch verwarf,
S»8) So I. Grimm in Heidelb. Jahrb. 1809. p. 185.
SOS) Inder Sammlung von von der Hagen und Büsching, in welcher Ausgabedie strophische Abtheilung des Gedichtes unbezeichnet gelassen ist. Vgl. die Einleitungder Herausgeber und I. Grimm in den Heidelb. Jahrb. 1800. Eschenburg in Bra-gur III.
SIO) Ausg. v» W. Grimm 81, 3. 8nlmon evitre lerte,blaroit dar verlebet«.