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1 (1853)
Entstehung
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202
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202 Ucbergang zu der ritterl. Poesie der hohcnstauf. Zeit.

Dieser letzte Tert weist aber auch auf ein früheres deutsches Lied schonzurück^), und dies würde denn etwa jenen Kreuzfahrer zum Verfasserhaben. In wie weit dieser schon alle und sämmtliche Namen so ver-ändert hat, wie wir sie heute lesen, ist schwer zu sagen. Wenn aberirgendwo, so liegt in diesem Gedichte das Verfahren unserer wanderndenErzähler zu Tage. Seinen Erfahrungen nach ist der Dichter, odereiner der Dichter, durch deren Hände das Werk gegangen ist, in Grie-chenland gewesen; seiner Sprache nach war der Erzähler des erhaltenenTextes ein Niederrhciner; seinen Stoff mag er in erster Gestalt ausNordosten, dem Schauplatz der Oserichsage erhalten haben; umgcstaltcthat er ihninTirol und Baiern, wo cs ihm nahelag, den Namen des Lom-bardenkönigs Rotharis zu dem seines Helden zu machen und verschiedeneZüge aus dem (in Tirol heimischen) Wolfdietrich zu entlehnen; und woseine Hörer- und Gönnerschaft (wie die des Dichters der Kaiserchronikwahrscheinlich auch) gewohnt haben wird, die er in den Namen desHerzogs von Meran, der Amalgcr und Wolfrat von Tengelingcn, desHademar von Dießen verherrlichte. Daß in dem Thatsächlichen derTheile, wo diese Namen spielen, bairische Sagenreste eingegangen seien,wie Müllcnhoff vermuthet, stellen wir dahin, sind aber geneigter, darinso viel Willkür zu vermuthen, wie in der Anknüpfung Ruothers an dasGeschlecht Karls des Großen. Dieselbe Kinderei, die in der Kaiser-chronik die etymologischen Sagenbildungcn gestaltet hat, dieselbe dürftigeErfindungsgabe und große Erfindungslnst hat auch diese Namenverände-rungen, diese Einführung lebender Zeitgenossen (was in Frankreich so sehroft geschah) veranlaßt; und dies muß man nicht anderswohin deuten,noch es leugnen wollen, sollte es auch der Erfindungsgabe und demWitze unserer Dichter jener Zeiten nicht eben große Ehre machen.

Folgendes ist in Kurzem der Entwurf dieses Gedichtes. KönigRuother läßt um die Tochter Konstantins werben; seine Gesandten aberwerden in den Kerker geworfen, wo sic mit Beten und Weinen die Kühn-heit der Werbung büßen müssen. Ein Heerzug Ruothers soll die muth-maßlich Enthaupteten rächen, eine Schaar Riesen erscheint zur Hülfe.Unter dem Namen Dietrich erscheint Ruother in Konstantinopel, wo seineRiesen, namentlich ein Widolt, der in Ketten geführt wird, und Asprian,der einen Löwen Konstantins an die Wand wirft und tödtet, Aufsehenund außer diesem auch anderen Unfug machen. Die junge Königin fin-det an Ruother-Dietrich Gefallen, und er erhält Gelegenheit, ihr Ge-

207) Z. B. B. 412. 3477 u. a.