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1 (1853)
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206 Nebergang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.

Geschichte, und besonders Kreuzfahrergcschichtcn, wie es in Frankreich sofrühe geschah, und wie wir in Deutschland ein Beispiel an den Bruch-stücken vom Grafen Rudolf haben einem Gedichte, das um117073 von einem deutschen Rittersmann verfaßt ist, lebendige Ge-mälde aus den Zeiten der Krcnzzüge entwirft, und Züge aus dem Lebendes Grafen Robert von Flandern, oder nach v. Sybcl ans dem des Hugo

von Prüfet, ansnahm. Sollte ferner einer alten Sage, die durch dasneue Interesse der Zeit in den Hintergrund gestellt wurde, ein frischerGlanz geliehen, sollte sie dem gegenwärtigen Geschlecht wieder nahegestellt werden, so genügte leicht schon eine Veränderung des Orts, eineVersetzung des Schauplatzes in das Morgenland; daher mußte HerzogErnst im 12. Jahrhundert nothwcndig ein Kreuzfahrer werden. Gabman dem Inhalt der alten heidnischen Sage ein christliches Interesse hin-zu, so war cs desto besser. Dichtete gar der geistliche Krieger, oder derkriegerische Geistliche selbst, der im heiligen Lande gewesen war, hatte eretwas aus eigener Erfahrung hinzugcthan, was dem Hörer neu war,oder hatte er gar schon Belesenheit und Keuntniß der neuen romanischenPoesie, um sein Gedicht dcmTon und Inhalt französischer Dichtung anzu-passen, so war Alles geleistet, was jetzt ein dichterisches Erzcugnißempfehlen konnte, nur kam es freilich darauf an, ob es mit dem rechtenTalente geleistet war. Das Gedicht von König Ruo th er^°") vereinigt

203) Grave Rudolf. Hsg.v.W. Grimm. 1828. DerHerausgeber sagt p. 26.Soviel sich aus den geretteten Stücken entnehmen läßt, gewährte das Gedicht eine lebendigeDarstellung des ZnstandeS, in welchem Palästina nach Eroberung der Hauptstadt undBegründung des neuen Königreichs sich befand. Jerusalem selbst, der Sitz des christ-lichen Königs, die Kirche von einem Patriarchen versorgt, der beständige nur durch kurzeWaffenruhe unterbrochene Krieg mit de» Sarazenen, die Ankunft neuer Streiter ausdem Abendlande, die wallenden Krieger auf der Landstraße, der Zwist des Königs mitseinen stolzen Vasallen, die an sich unnatürliche durch die Verhältnisse herbeigcführteVerbindung dieser mit den heidnischen Fürsten die Einmischung des griechischen Kaisers,die Pracht seines Hofes, selbst einzelne Sitten und Gebräuche, z. B. Stab und Becherdes Pilgers oder Empfang der zurückkehrenden Sieger vor Jerusalem durch die Geistlich-keit, Welche Loblieder singt und das heilige Kreuz trägt, wie bei der Ankunft König Kon-rads, das Alles sind lauter der geschichtlichen Wahrheit gemäße Züge." Aehnliches in derneuen durch hinzugekommene Fragmente vermehrten Ausgabe des Gedichtes. 1844. p.40.

204) In Haupt'S Zeitschr. 2, 235 ff. Unter Veränderung von Namen und Oert-lichkeiten tritt ungefähr ein Jahrhundert später der Stoff dieses Gedichtes in einem unsnur fragmentarisch bekannten Gedichte, dem Crane des Berthold von Holle, wiederans: Ebd. I, 57. 2, 176 eine umfassendere Hs. zu Pommeresfelde: Ebd. 5, 368.

205) In der Sammlung von Büsching und von der Hagen; und in Maßmann'SGedd. d. 12. Jahrh. II. Wir haben zwei Bruchstücke, worin der ursprünglich niederrhei-