Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
198
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1i>8 Uebcrgcmg z» der ritterl. Poesie der hohcnstauf. Zeit.

In diesem zweiten Thcile, der sich allerdings sehr wunderlich nebendein ersten ansnimmt, treffen wir nun auf die alte griechische Vorstellungvon der geographischen Ferne und von den Ländern und Menschen anden Wellenden, wie sic im Laufe der Zeiten unter alerandrinischen undmorgcnländischen Einflüssen sich gestaltet haben. Der Kreuzfahrer Ernstzieht nach Konstantinopcl, begibt sich dort zu Schiffe und wird vomSturm nach Cypcrn verschlagen. Dort findet er eine leerstehende Burgvoll Pracht, und mit Wctzel betrachtet er sich Palast und Garten, derenHerrlichkeit im Stil des Fecnmährchcnö geschildert ist; sie baden sich,gehen zur Ruhe und beim Aufstehen hören sie und sehen sic ein Kranich-volk zur Seite der Burg auf einer Aue reiten. Die Schnabcllcnte ziehenin die Burg ein mit einer geraubten Königstochter aus Indien, die derKönig gern zum Weibe haben wollte. Nachts suchen sic die Jungfrauzu befreien und töbtcn viele von demSchnabclvieh," sie aber wird dabeiverwundet und stirbt. Sic fahren ab und ihr Schiff wird an den Magnet-stcin im Lcbermecr geworfen, wo sie unter Trümmern sestgehaltencrSchiffe sich beichtend znm Tode bereiten; als nur noch sieben dein Hun-. gcrtode widerstanden hatten, gibt Wehel an, sie sollten sich in frischeHäute vernähen und als todt von den Greifen wegtragen lassen; bisauf Einen, der aus Zagheit zurückblieb, werden sic so erhalten. Nacheinem kümmerlichen Leben im Walde, (dessen Schilderung, wie auch dielaunige Erzählung von den Kranichen und nicht wenige andere Stellender humoristischen Manier Wolframs nachgcahmt ist,) kommen sie zu denAcimaöpcn oder Cyrlopen mit Einem Auge und stehen ihnen gegen diePlattfüße bei; cs folgen Kämpfe mit Langohren, mit Vögeln, welchedie Pygmäen bekriegen, mit den Riesen von Kanaan und endlich mit denBabyloniern, worauf, als der Ruf von sciuen Thaten erschallt, Ernsthcimkehrt.

Man sicht, hier kann man die ganze Geschichte der Wundergeogra-phie verfolgen. Wir finden die Riesen in Palästina; wir finden HomersCyrlopen und Pygmäen, deren elftere zu Herodots Arimaspen überlei-ten; von Plattfüßen und Langohren wußten Megasthencs und Duris zuerzählen; die Fabel vom Magnetberge, der das Eisenwerk der Schiffeauszieht, ist in Tausend und Einer Nacht zu finden und von orientali-schem Ursprung, und die Sage vom Wegtragcn durch Greife scheint ebendort zu Hause zu seines. Wie verbreitet alle diese einzelnen Sagen von

201) Vergl. die Stelle im Benjamin von Tndcla, ml. tlonst. I/Lmimneu,' abOl>p;-dc. x. IN.