Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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197
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Veränderungen in der deutschen Volksdichtung. 1!17

so abcr, daß mit ihm schon ein älterer bairischer Ernst verschmolzen ist,Ludwigs des Frommen Tochtecmann, der gegen Ludwig den Deutschenmit dessen Sohn Karlmann verbunden war; daß er ferner znm Thcil dieRolle von Ludolf, Ottv'ö 1. Sohn spielt, daß Otto I. als Otto derRothe erscheint, und Konrad II. als Otto I., daß Otto der Rothe dieAdelheid zur Gattin hat, die die Mutter von Herzog Ernst ist, der mitHeinrich von Baiern in Feindschaft lebt und was dergleichen Verwirrun-gen mehr sind. Der geschichtliche Stoff ist mehr aus dem Leben desschwäbischen Ernst, auf den auch daö Gothaer Gedicht den Helden amSchluffe deutet; der Schauplatz derSage ist vorzugsweise Baiern, und dieUmarbciter, Leser und Kenner des Gedichtes weisen uns meist ebendahin;Haupt vermuthct daher, daß es ein älteres Lied von dem bairischen Ernstgegeben habe, das dann später im 11. oder 12. Jahrhundert einiges ausdem Leben des schwäbischen in sich ausgenommen habe. Dieser trockeneStoff aber in dem geschichtlichen Thcile des Gedichtes, (wo wir nichtsfinden als einen Sohn, der seine Mutter zu einer zweiten Heirath mitdem römischen Vogt bestimmt, der von Pfalzgraf Heinrich verleumdetseiner Lehen beraubt wird, diesen nachher ermordet, dafür bekriegt wird -und zuletzt daö Land räumen und das Kreuz nehmen muß), diesertrockene Stoff war der Zeit nicht mehr abenteuerlich genug neben denneuen Zeitereignissen und neben den cindringcnden fremden Gedichten des12. Jahrhunderts. Den größeren Beifall fand jetzt gerade das Frcmdc,was willkürlich an Herzog Ernst, wie anderswo im Volksbuche eben sowillkürlich an Heinrich den Löwen geknüpft ist; dies verdrängte dasfrühere Volköthümliche aus seiner Stelle, und ward seinerseits selbstvolkSthümlich und ein Lieblingsgegenstand der Dichter und der Leser.Auch ist dies offenbar die Lieblingspartie aller Bearbeiter des Herzogs Ernstgewesen, auch des dcutschenDichters, dessen Werk gedruckt und zugänglichist. Denn während in dem ersten Thcile, außer der zarten und edeln Ge-sinnung, die sich dort ansspricht wo der Dichter in Person anftritt undurthcilend und fühlend seine Erzählung unterbricht, außer der frommenEinleitung, die so gegen die falschen Gemüther gerichtet ist wie Gott-frieds im Tristan gegen die saueren, und außer der Stelle etwa wo Adel-heid des Nachts für ihren Sohn den Kaiser bittet, nichts in der Erzäh-lung ist, was für ihre Nüchternheit entschädigte, so ist im zweiten Thcileeine anschaulichere Darstellung und es herrscht der wohlthncnde freund-liche Ton des Märchenerzählers, den man hier noch mehr als die späte-ren gelehrten und buchmäßigen Dichter reden hört.