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1 (1853)
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195
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Veränderungen in der deutschen Volksdichtung. 195

seinen lateinischen Liedern unserem deutschen Minnegesang wie ein Bahn-eröffner voranging, nennt und bekennt sich laut zu demStaude" derVaganten und entwirft von seinem eigenen Leben wie von dem seinerSekte" das ausgcführtc und verführerische Bild jener epieureischen Ar-mut, die ihre Sache auf nichts stellt, aber die sinnlichen Reize dcSLebens wie aus der Fülle des Reichthums auszugcnießcn strebt. Mauwürde aber Unrecht thun, von ihm und seines Gleichen auf die Ver-hältnisse unserer dcutschccdenden Fahrenden irgend weit überzuschließen.Der Kirche und dem geistlichen Stande angehörig, hatte sich jener Wal-ther durch sein uugcistlichcs Leben und kirchenscindliches Dichten selbstausgestoßcn in den Stand einer Sekte, den viele citramontanc Geistlicheim Jahrhundert Friedrichs 1. mit ihm thciltcn, und in Deutschland wieüberall wurden diese fahrenden Kleriker, dieFamilie" der Goliardeu,von der Kirche noch im 13. Jahrhundert verfolgt; aber da so wenig wieim 12. Jahrh. hatten diese mit unfern lauschen Jongleurs irgend mehrgemein, als die Armut und das Lohnsuchen.

Wir haben oben schon im 11. Jahrhundert jenen lateinischen Ruod-lieb kennen gelernt, in dem wir dreierlei Elemente unterschieden: amSchluffe die Spuren achter deutscher Sage, am Anfang einen weitenKricgSzug in die Ferne, wie sic in den Dichtungen des 12. Jahrhundertserst häufiger erscheinen, in der Mitte eine heimatliche Reise in einer alle-gorischen Einkleidung. Ganz die ähnliche willkürliche Mischung vcrschic-dcnartigcrDinge finden wir in diesen Zeiten im Herzog Ernst wieder,lieber die verschiedenen Gestalten, in denen wir dieses Gedicht besitzen,hatHanpt jetzt'"H manche frühere irrige Ansichten berichtigt. Wir habenin einigen Prager Blättern Bruchstücke eines deutschen Gedichtes inniederrhcinischcr Mundart, in dem stumpfen, schlichten Stile aller Dich-tungen des 12. Jahrhunderts, dessen Verfasser nach dem ausdrücklichenZeugnisse eines seiner späteren Umarbeiter einer lateinischen QuellefolgteDies nicdccrhcinische Gedicht war wahrscheinlich dasdeut-sche Büchlein von Herzogen Ernsten", das sich Graf Berchtold Hl. vonAndechs in einem oft angeführten Briefe^) von dem Abt Ruprecht

194) Zeitschrift 7, 253 ff.

IS») Fundgruben I, 228.

136) V. 2043 der Gothaischcn Handschrift.

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137) Bei Kerub, ke? cos. episi. 2, 13.

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