Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
190
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1i)0 Uebergang zu dkl ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeil.

auf der Welt mit GottcS Güte vertrüge, wie sich das Glück und der Zu-fall zu Gottes Vorsehung, der freie Wille des Menschen zum Zwangdes Schicksals verhalte; und geschickt ist die Fabel der Legende benutzt,den zweifelnden Faustinian zu überführen, indem die wunderlichen undzwecklosen Verschlingungen des Zufalls und der Willkühr, die der Grundseiner Vcrtheidigung derWilsaeldc", der gnostischen Lehre von der Ge-walt der Sterne, sind, sich zuletzt, freilich sehr maschinenmäßig, in eineweise Fügung versehender Allwcisheit und Allwissenheit auflöscn undihn dann überzeugen. Ganz ähnlich ist die Legende von Helena's Be-kehrung und der Unterredung zwischen Heiden, Christen und Juden inDurazzo; unv so sind im Turpin, der in diesen Zeiten (Ende des I I.Jahrh.) verfaßt ist, die Disputationen kein kleiner Gegenstand der Nc-bung selbst der Helden. Einfacher sind die Sagen von Tiberius' Krank-heit und seiner Heilung durch Veroniea, ein Gegenstand, den wir schonoben in der besonderen Bearbeitung Wcrnherö vom Niedcrrhein erwähn-ten, wo Vcspasian die Stelle des Tiberius einnimmt; die Geschichteder Eroberung des h. Kreuzes durch Erarlius ist hier noch ohne den ro-manhaften Zusatz in dem Erarlius von Otte; dann die Geschichten vomGaukler Simon, die zahllosen Märtyrerlegenden von Petrus und Pau-lus, von dem Evangelisten Johannes, von Sirius, Felirissimus, Aga-pet, Laurentius und Hippolyt, den Siebenschläfern und der allgemeinenChristcnvcrfolgung u. s. w. Einen Werth der dichterischen Behandlungwird man in einem chronikartigen Buche wie dieses, selbst in den mit mehrLiebe behandelten Theilen, nicht suchen. Noch gilt es hier um den bloßenStoff, der einfach entlehnt wird. Es kommt hinzu, daß dieser Werthbloö in den Legenden der Chronik zu suchen sein müßte, und wie wenigdiese selbst unter den Händen geschickter Dichter, vermöge ihres für diePoesie meist ungeschickten Stoffes zu gedeihen pflegen, werden wir weiterunten beobachten können. Dort werden wir finden, daß die Legenden,welche nach der Abblüte der ritterlichen Dichtung entstanden, in demMaaße als sie an kunstmäßiger Behandlung und äußerer Form gewin-nen, an Glaubenskraft und Naivetät einbüßen; und wenn man in denungekünstelten Erzeugnissen dieser Zeit des 12. Jahrhunderts zuweilennach etwas Gewandtheit und Beweglichkeit sucht, so sehnt man sich da-gegen dort bald wieder zu der schmucklosen Einfalt der frommen Dichtungdieser früheren Zeiten zurück.