Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
189
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Legenden. Kciiscrchronik.

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widmete, und in die, ganz im Geiste aller dieser Sammlungen, auch gele-gentlich schon ein weltlicher Roman cingcht, der auf dcnGrundzügcn derOdyssee aufgebaut ist, thnt es an Alter dem Petrus Alphonsns wie derKaiserchronik zuvor. Unser deutsches Gedicht reiht an den Faden ihrerKaiserlistc alte klassische Erzählungen, vaterländische Sagen und Zügeder Volksgcschichte; ihr Hanptbestandtheil ist aber die christliche Novelleund Legende. Der geistliche Dichter, wiewohl er des Sinnes für dieWeltlichkeiten des Frauen - und Ritterthums nicht entbehrt, breitet überden ganzen historischen Grund seiner Erzählung einen christlich-kirchlichenDunstkreis; ganz weltliche Sagen, wie die von Curtius-Jovinus, erhal-ten eine Färbung und Bedeutung nach christlich-sittlichen Vorstellungen;daS weltliche römische Reich ist von dem geistlichen, der Kaiser ist vondem Pabste, der Held von dem Heiligen, in Einem Worte die Geschichteist von der Legende verdunkelt. In diesem legendarischen Bestandtheileder Kaiserchronik stoßen wir nun auf jene vage Verknüpfung von Vor-stellungen und dichterischen Formen der antiken und christlichen Welt, aufdie wir oben hindcuteten; Alles was das späte Altcrthum der neuenZeit am unmittelbarsten entgegen brachte, Allegorien, Parabeln, Apologe,Novellen, religiös-philosophische Streitfragen finden wir in der Legendenoch völlig erhalten. Auf eine bloße Vergleichung des Inhaltes derKaiserchronik mit dem Barlaam erkennt man sogleich den ganz gleichenGeist und die scharfe Einwirkung dieser griechischen Dichtung aus dieLegenden des Westens. Auch haben die ähnlichen und noch älteren, grie-chischen und lateinischen, Quellen unmittelbaren Einfluß ans die Kaiser-chronik geübt. Die sogenannten Clementinischcn Rerognitionen (Wieder-erkennungcn) anödem 2. Jahrh. und die daran anschließende Schrift vonMarcellus äe conllivtn Kimonis Uotri et Limoiiis tUagi liegen, nachMaßmann'S Nachweisungcn, den Legenden von Simon, von Petrus undPaulus, und der Sage von Clemens zu Grunde, die das römische Pa-triarchat zu verherrlichen und die Anwesenheit des Apostels Petrus inRom zu diesem Zwecke sestzustellen bestimmt war. Wenn wir in unsererChronik diesen legendarischen Roman von der Jngcndgeschichte dcs Pabstesund Märtyrers Clemens und seiner Brüder lesen, so finden wir da allejene Magier- und Wundergcschichten, theologischen Disputationen, jenenhalb scholastischen halb biblischen Stil, jene Siege über den Unglaubenund Zweifel, und Erörterungen der Fragen, Streitigkeiten und Irrleh-ren, welche die Kirche und die philosophischen Schulen in den crstcnJahr-hunderten bewegten. Hier dreht sich ein langer Kampf um das allge-meine Räthsel, das die ersten Christen beschäftigte, wie sich das Böse