186 Uebergang zu der rittcrl. Poesie ver hohenstauf. Zeit.
Zeit erfaßt und im poetischen Körper sinnlich gezeugt werden. In solchenStoffen und Gedichten hat man Volkssage gefunden! im ganzen Mittel-alter hat man Erfindung geleugnet, weil jenes Geschlecht mit Treue undGewissenhaftigkeit an der ächten Sage hing und mit gewissenhafter Ge-nauigkeit dem Gange der Sage in Ucbcrsetznngcn folgte! Diese treueAbhängigkeit mag ein Charakterzng der deutschen Ritterdichtnng sein,die der eigenen Erfindung in der That nur allzusehr ermangelt; weraber den Ausspruch ans das ganze Mittelalter ausdehnte, der würdegeradezu eine verkehrte Welt erfinden. Denn dies ist eben der auf derOberfläche erkennbare entschiedenste Charakterzng der Dichtkunst neuererZeit überhaupt, daß in ihr die Macht deS Gedankens so groß war, daßvon ihm ans ganze poetische Schöpfungen frei erfunden ansgehenkonnten.
So kann man finde», daß unsere Kaiscrchronik selbst, nicht in ihreneinzelnen Thcilen, wohl aber in dem cigenthümlichen Rahmen, in densie ihre Anekdoten, Geschichten und Legenden einklcidct, einen solchentiefsinnigen und ideenhaften Bezug ans die geschichtlichen Bildnngsvcr-hältnisse Deutschlands habe. Diese Einkleidung, der Faden der Erzäh-lung, der durch die römische und deutsche Kaisergeschichte hinleitet, derGedanke, der auf diese Einkleidung führte, scheint das eigentlich Natio-nale an diesem Werke zu sein. Es ist der HanptgesichtSpunkt, ans demdie Geschichte der Dichtung dieses Werk betrachten muß, daß dasselbe,wie sich andere Werke von Umfang an andere Begebenheiten der äußerenGeschichte anschließen, in der deutlichsten Beziehung zu den Richtungender deutschen Kaiser seit Karl nach dem Süden, nach Italien, auf denErwerb der Kaiserkrone und die Verbindung des deutschen und römischenReiches steht. Mit diesen Bestrebungen, als sie unter Karl und Ottozuerst begannen, sahen wir gleich damals den geistigen Verband Deutsch-lands mit der alten Welt, der neueren mit der alten Literatur im Zu-sammenhänge. Noch war zu Otto's 1. Zeit die heroische Seite der altenPoesie, Homer und Virgil, diejenige, welche wir in der weltlichen Dicht-kunst die Ausnlcrksamkeit der lateinischen Dichter beschäftigen und ihrenEinfluß auf unsere Hcrocnpocsie auöüben sahen. Seitdem aber vonda an das Rittcrwcsen sich mehr und mehr ansbildete, seitdem durchOtto's II. Gattin die Verbindung mit Byzanz häufiger ward, seitdemunter Otto Ikl. Hofton und Hofeeremonicl mit seinem jammervollen Ge-folge nach Deutschland kam, und nun der Uebcrgang zur Ständescheidnngund Allem gemacht ward, was eine heroische Zeit zu geselligerem Cha-rakter umbildct, fand man mehr Geschmack an dem, was das west- und