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1 (1853)
Entstehung
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Legenden. Kaiserchronik.

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In der Kaiscrchronik und ihren einzelnen Bestandtheilcn blickt manwie in eine Werkstätte des Geistes, wie in ein Lagerhaus des Verkehrs,wodurch die Sagendichtung des Mittelalters gestaltet und ausgebildetwurdet. Die vielfältigsten Anlässe und Eigenheiten der romantischenSagenschöpfnng und Entstehung liegen hier wie zur Schau offen; undnichts kann so sehr wie ihrJnhalt dicThätigkeit einer jugendlichen, frischangeregten Phantasie charaktecisiren, die sich in aller Keckheit und inallem Ungeschick zugleich, in ebenso leichtfertiger als schwerfälliger Er-findungskraft, an einer Menge von Stoffen geschichtlicher und dichteri-scher Ueberlicfcrnng beschäftigt. In jenem Durcheinanderwcrfcn geschicht-licher Thatsachen und Namen, von dem wir vorhin die Beispiele an-führtcn, wo bald eine bekannte That auf eineu bisher ungenannten Ur-heber gelegt, bald ein bekannter Held mit Anderer Thaten ansgcstattetwird, zeigt sich die Bereitwilligkeit sowohl wie die Dürftigkeit der Er-findung vielleicht am auffallendsten, pcrräth sich der Eifer sowohl wiedie Ungeschicklichkeit der Industrie, die den neuen Stoff der dichterischenUnterhaltung schaffen sollte, vielleicht am stärksten. Sv werden wir baldsehen, daß, wie dort die Sagengcschichte, so auch die poetische Länder-kunde der alten Welt neu erzählt, ihre Reisewundcr an neue Persönlich-keiten angeknüpft wurden; so haben wir schon früher gesehen, wie dieVölker der neuen Zeit sich den sagenhaften Ruhm der älteren anzucignensuchten. Die.keltischen Völker, gcschichtloö wie sie waren, wollten inihren Berührungen mit kriegerischen Feinden nicht arm und rühmlos da-stehen, sie legten sich daher trojanischen Ursprung bei, wie die Römer;so tauschten auch die Franken gerne, die das Römerreich gestürzt hatten,ihre dunkle Herkunft mit dem gleichen Ruhme, trojanischen Blutes zusein. Mit diesen wcrthlosen Erfindungen hatten bisher nur die geistlichenGeschichtschreiber in lateinischen ChronikendcrVölkereitclkeit geschmeichelt,in dem l2. Jahrh. brachen sie in die Volksliteratur überall ein, und dieKaiscrchronik und das Annvlied wissen daher von der alten Verwandt-schaft zwischen Franken und Römern, von der Herkunft der Sachsen ausder Hccrgenossenschaft des Alerander, von dem Ursprung der Baiern inArmenien, wo noch Deutschrcdcndc gefunden werden sollten. An dieFabeln dieser Art reihen sich andre über den Ursprung von Völkern,Städten und anderen Ocrtlichkeiten an, Erdichtungen, die auf Etymo-

188 ) Wir müssen auf Maßmann's dritten Band seiner Ausgabe der K. Chr. ver-weisen, wo vor- und rückwärts die früheren Spuren und die späteren auSgefahrenenGeleise der einzelnen Sagen mit umfassender Kunde verfolgt werden.