Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
182
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182 Uebergang zu der ritterl. Poesie der h ohmstauf. Zeit.

charakteristrt. Ganz so nun wirft sich in unseremBuch der Könige" dieLcgendendichtung gegen die Unwahrheiten der weltlichen Sage auf,indem sie viel unverschämtere Lügen an die Stelle setzt. Man könnte diesaus der bloßen Launenhaftigkeit und dem Unbedacht der Kritik erklären,der wir selbst noch später, bei viel bedeutenderen unserer Dichter, oft undin wunderlichen Beispielen wieder begegnen. So gibt Wolfram schöneLehre, in der Erzählung nicht zu übertreiben, gerade indem auch Er diedeutsche Volkssage verspottet, und bei ihm fehlt cs doch in Worten undWerken an Uebertreibung nicht. So wird im Titurel über die HornhautSiegfricd's gehöhnt, und doch kommen hörnerne Riesen in dem Gedichteselber vor. Dennoch aber hat die Polemik sowohl dieser Dichter, wiedie der Kaiserchronik, gegen die deutsche Heldensage auch außer demGrunde der Unmündigkeit der Kritik, noch die tiefere Ursache der Ab-neigung gegen ihren ganzen Geist noch mehr, als gegen ihren Inhalt.Das Interesse der Zeit suchte jetzt andere Wunderthaten und Abenteuer,als die der heroischen Dichtung waren; die Gegenwart fing an mit an-deren Thaten, denen eine andere Bedeutung geliehen ward, nach einerveränderten Ansicht die Werke der alten Helden zu überbieten; man ver-schmähte die Gegenstände, die sich den neuen Vorstellungen nicht fügtenund suchte andere hervor, die damit in Einklang zu bringen waren. Derchristliche Heroismus ward die Bewunderung der Zeit, die Thaten undWerke, die der heilige Geist verrichtete; und dies ist, zugleich im Allge-meinsten und aufs Pragmatischste hcrgeleitct, der erste Eingang einesgeistigen Grundsatzes, die erste Spur der Idee in den menschlichen Hand-lungen, die uns die Sage erzählt. Nicht mehr der Trieb der Natur unddie Neberfülle der wirkenden Kräfte im Menschen, nicht mehr die Nöthi-gung der äußeren Verhältnisse bilden jetzt die Hebel der Thaten, wie imheroischen Zeitalter, sondern die innere Stimme, der Ruf von Gott, dertreibende Geist. So heißt cs im Rolandölied, nicht der Kaiser thne waser thue, sondern Gott gebiete cs ihm. So ist in Hartmanns Glaubenjede Legende als ein Beispiel der Wirkungen des heiligen Geistes erzählt ;aus ihm handeltenzuerst dieApostel des Herrn, die theurenMärtyrer".Als ein anderer Apostel und Gottes Bote ward daher Karl jetzt in ihreReihe gestellt, und die Triebfedern des heroischen Zeitalters, Habsuchtund Gewaltthat (Gierigkeit und Hochmuth) wurden nun verpönt undverfolgt. Aus diesem Gesichtspunkte wurden nachher auch die Sagenvon Alerander und Parzival behandelt, und es ist kein Wunder, daßinmitten dieser neuen Ansichten die Nibelungen, die ihnen zum Trotzeausdaucrten, fremd und übel angesehen dastandem