Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
178
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1?8 Uebcrgang zu dcr rittcrl. Poesie der Hohensteins. Zeit.

müthigen Sachsen zu thun hat. Dann wendet er sich an die Franken,seine alten Verwandten; dann gegen Rom und Pompcjus, mit dem ereine. Schlacht schlägt, die mit jener vortrefflichen Raschheit und Leben-digkeit geschildert ist, welche unsere Dichter deS 13. Jahrhunderts nurselten erreichen. Von da kommt das Lied auf Augnstus, auf die Grün-dung von Köln durch Agrippa, auf die Geburt Christi, auf die AuSscu-dunq der Bekehrer der Franken, die das Land mit besserem Siege ge-wannen als Cäsar. Einer davon ward Bischof in Köln und sein drciund-dreißigstcr Nachfolger ist Amw. Nun erst ist der Panegyriker bei sei-nem Gegenstände, dem Preise des Heiligen angelangt, und cs folgt wassich aus seinem Wandel und Leben zu seinem Ruhme, aus seinem Bei-spiele zur Nachahmung, aus seinen Wundern zur Verherrlichung sagenläßt.

Die weltgeschichtlichen Stellen, die wir hier mitausgezogeu haben,sind in das Annolied aus der Kaiser chronik herübergenommeu ^').Dieses merkwürdige Werk^) istach neueren Untersuchungen in Oester-reich entstanden; es setzt die Geschichte unserer geistlichen Dichtung ge-nau da fort, wo wir sie in jenen Gegenden früher verließen und bildetden Uebcrgang von ihr zur weltlichen epischen Erzählung dadurch, daßes seinen christlichen Inhalt au Geschichtssageu und Legenden knüpft,daß es, wie es sich selbst bezeichnet, zugleich einGotteslied" und eineChronik" ist. Ursprünglich scheint (nach Maßmann 3, 6t» ff.) ein Kö-nigsbuch ,,altor ö", eine Erzählung alttestamentlicher Geschichten demZeitbuche dcr christlichen Geschichten, das wir jetzt allein lesen, voraus-

181) lieber das Vcrhältniß beider Werke ist es schwer mit Sicherheit zu entschei-den, da wir de» ältesten und ursprünglichen Tert der Kaiserchronik nicht besitzen und dasAnnolied nur aus Opitzens Drucke (1039) und dessen Erneuerungen kennen. Es kannnach Vergleichung der ältesten Terte der K. Chr. nicht zweifelhaft sein, daß das Anno-lied sprachlich älter ist und dem Anfang des 12. Jahrhunderts angehört. Und doch isteS, wie es an und für sich das allein Natürliche ist, daß das Lied seinen geschichtliche»Auslauf der Geschichtschronik entlehnt habe, so auch aus der Vergleichung der Paral-lelstellen unwidersprechlich, daß das Lied eine jüngere Bearbeitung der entlehnten Stel-len enthält. Dieser Widerspruch löst sich, wenn man annimmt, daß das Annolied ausder ältesten deutschen oronica schöpfte, auf die unsere Terte der K. Chr. zurückweisen,und daß dies das B u ch sei, auf das sich das Annolied selbst an eben jenen Stellen vonCäsars Kampf mit Pompejus beruft, die der Annodichter mit den schönsten Zeilen anS-schmückte, welche die Chronik, wenn sie ihrerseits entlehnt hätte, gewiß nicht ausge-lassen hätte.

182) AuSg. v. Maßmann. Quedl. 1849. 2 Thle. Den Vorauer Tert hat DiemerherauSgegeben» Wien 1849.