Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
172
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172 llebergang zu der rittcrl. Poesie der hohcustauf. Zeit.

Lobgedichte und einigen kleineren Stücken^'"') absehen, das Leben derMaria vom Pfaffen Wernher von Tegernsee, das 1173 aus demLateinischen des Hieronymus übersetzt ist. Alles was die priesterlichenDichter des 12. Jahrhunderts überhaupt auszeichnet, Wissen, Sprach-kenntniß, schlichte Einsalt in Ton und Sprache, in der Gesinnung pa-triarchalischer Geist, in der poetischen Ausführung Fülle, Behaglichkeit,ausgemalte Bilder, wie sie die späteren Dichter nicht kennen, in der ge-summten Ausfassung und Behandlung jene Würde und Wärme, jeneGemüthlichkeit und Kraft, bei gesunder Verständigkeit jener herzlicheTon, der aus dem Herzen quillt und nicht dem Buche nachspricht, em-pfiehlt auch den Wernher '^). Noch hatte die schale Lertüre der fremdenRomane den Sinn und Geschmack nicht verdorben. Wäre nur mehrMaaß gehalten und nicht durch Länge und Langweiligkeit der Eindruckgeschwächt, so würde sich dies Gedicht vorthcilhast auszeichnen undeinen christlichen Hymnus darbieten, den weder die Sonderbarkeiten derspäter geläufigeren Vorstellungen von der Mutter Gottes entstellen, nochdie Fehler der lyrischen Form, der geraden Lobpreisung und Anrufung,die der alte Hymnus vermeidet. Noch bleibt in diesem Wcrnher'schenGedichte jene Vorstellung von Maria's Vcrhältniß zur jungfräulichenErde und der Mcnschcnerlösuug in einem solchen Hintergründe, wie esin einem epischen Liede billig ist; die Ansicht von ihrer Fürsprache imHimmel trägt noch nichts so Mißbräuchliches in sich, wie später; dielyrischen Erhebungen stehen am rechten Ort; die Gleichnisse sind wederso wunderlich noch so überladen, wie in den meisten späteren Marieuge-dichten, nicht selten cigcnthümlich und nicht einmal in den Wiederholun-gen der Folgezeit zu finden. Noch im l2. Jahrh. entstanden von diesemGedichte zwei verschiedene Ucbcrarbeitungcn^'), die schon auö dem Be-dürfnisse hcrvorgingcn, das Werk der neuen, reineren Vers- und Rcim-kunst, die gegen Ende des Jahrhunderts aufkam, näher zu führen. Vondieser Seite ist die Legende von Pilatus, die uns in einem Bruchstücke

165) Wie die von W. Grimm mitgetheilte unsir vrorven ct-ixe in Haupt's Zeit-schr. I, 34.

166) lieber ihn, der auch als lateinischer Dichter und Schriftsteller bekannt war,vgl. F. Kugler, <Ie Werinlinro. Nerol. 1831.

167) Von seiner ächten Gestalt ist nur ein Bruchstück erhalten, Docens Miscell.2, 104; das ganze Gedicht findet sich nur in einer nicht viel späteren Neberarbeitung(aus der Berliner Handschr. herauSg. von Oetter, Nnrnb. 1802; beide Stücke besserin Hoffmann'S Fundgruben 2, 145 ff.). Von der zweiten und besseren Bearbeitung istleider nur ein Bruchstück (in Mone's Anzeiger 6, 156) erhalten.