170 Uebergang zu der rittcrl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
Behandlung cristirt; nach der Abfassung der Kaiserchronik aber breitete sichder Geschmack an der Legende immer weiter aus; nicht mehr bloö Oester-reich, sondern alle Gegenden Deutschlands beschäftigten sich mit ihrerdichterischen Bearbeitung, und nicht mehr blos die Geistlichen, sondernbald auch die ritterlichen Poeten; nicht mehr blos die den Anfängen desChristenthums nahestehenden Heiligen waren der Gegenstand der Erzäh-lung, sondern bald auch die späteren ans den verschiedensten Zeiten undOrten.
Wir stellen hier vorgreifend die einzelnen Legenden, die uns ausdem l2. Jahrh. erhalten sind, übersichtlich zusammen, um alsdaun un-gestört bei der Kaiserchronik verweilen zu können, dem charakteristischstenVertreter unserer Dichtung der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ein-zelne aus der Reihe jener abgetrenntcn Legenden, wie die von denheiligen Veit und Aegidius, besitzeu wir nur in Bruchstücken^'),denen wenig abzusehcn ist; Andere sind zwar ganz erhalten, aber nochin Handschriften verborgen, wie der Barlaam und Josaphat von einemBischofs. Otto "ch, der der lateinischen Quelle genauer angeschlossen undweitläufiger ist als Rudolfs Barlaam; dann ein, wie es scheint, sehr ge-dehntes Lob der Jungfrau Maria in den niederrheinischcn Ma-rienliedern eines Geistlichen, in einer hannoverschen Handschrift^).Von einigen der Legenden der Kaiserchronik, wie von der h. Creseentia,nimmt man mit Fug an, daß sie abgesondert entstanden sind DenGegenständen nach beschäftigt sich die Legende jetzt schon mit Heiligenaus allen Zeiten, mit solchen, die der Urgeschichte des Christenthumsam nächsten, und mit anderen, die der Zeit in der wir stehen am näch-sten sind, von Maria und Pilatus an bis auf den heiligen Anno, denwir aus der Geschichte Heinrichs IV. als einen sehr weltlichen Mannkennen. Der Zeit der Entstehung nach gehört nur das Annolied der frühe-ren Zeit deS 12. Jh. an, die meisten übrigen dem letzten Viertel desselben.Dem Ort der Abfassung nach weist uns das Bruchstück von St. Veit nachKärnthen, der heilige Ulrich nach Augsburg, das Leben der Maria nach
157) In Mone's Anzeiger 8, 53. Hoffmann's Fundgruben 1, L46.
158) In der Bibl. des Grafen Solms in Laubach. Handschrift von 13SS. s.Gött. gel.Anz. 18S0. St. 31.
I5S) Vgl» W. Grimm in der Vorrede zu seinem Wernher vom Niederrhein; undMaßmann in Germania I, 171.
159>-) O. Schade stellt sie in seiner „Creseentia." 1853. als ein Gedicht inbzeiligen Strophen her»