Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
166
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166 Uebergang zu der ritterl. Poesie der hohenstciuf. Zeit.

Zeit mehrfach gemacht hat. Jedes große Ercigniß hat seine näherenvolksmäßigen Gesänge und sein entfernteres Kunstgcdicht; die Wegwen-dnng von den Ideen der alten Welt; der Uebergang in die neuen (dennselbst dieser rein geistigen Gegenstände bemächtigte sich die Dichtung desMittelalters); die Völkerwanderung; die Rettung des Westens vonden Sarazenen; der Angriff auf den Osten; die Entdeckung der See-wege nach Indien und Amerika. Wenn Michaud ferner findet, dieDichter des Mittelalters seien mittelmäßig, sie hätten nicht das An-sehen des Genius gehabt, welches die Meinungen eines Jahrhundertsund selbst späterer Zeiten mit sich reißt, so urthcilt er selbst über seinefranzösischen Epen zu hart, obgleich cs da am wahrsten sein mag» Alleinwie sehr bewegte ein Wolfram seine Nation! und vollends die italieni-schen Klassiker! Wären nur die Verbindungen und der Verkehr der Ideenim Mittelalter so von den Umständen begünstigt gewesen, wie einst inGriechenland! hätte sich nur auch so die dichterische Form in ganz Europafort- und ausgebildet, wie sich die Ideen mittheiltcn und entwickelten.Wir werden sehen, daß sich italische, französische und deutsche Gedichte imFortspinnen eines und desselben, Gedankens wie verabredet die Händereichen, ohne sich im geringsten anders bekannt oder verwandt zu sein,als durch die Allgemeinheit der bewegenden Ideen, und ohne in der poe-tischen Verkörperung derselben auch nur im geringsten sich einander zunähern oder zu unterstützen.

2. Legenden. Kaiserchronik.

Der Geist, der die Kreuzzüge hervorrief und vor ihnen zahlloseWanderer zu der friedlichen Pilgerfahrt nach Jerusalem antrieb, sprichtsich in der Literatur des 11. und 12. Jahrhunderts am vollsten und un-mittelbarsten in der Legende aus. Ehe die Kreuzfahrten zu feindlichenEroberungszügen geworden, den fanatischen Eifer der Geistlichen unddes Volks, die Ruhmbegierde der Ritterschaft, den Ehrgeiz der Für-sten aufgeregt hatten, war von Tausenden friedfertiger Pilger die gefahr-volle Reise, den Tod vor Augen, nur in der Absicht gemacht worden, amheiligen Grabe zu beten; Unzählige hatten auf dem frommen Gange dasLeben eingebüßt und rückten in die Reihen der heiligen Märtyrer in Mas-sen ein; die von der abenteuerlichen, gewagten Unternehmung zurück-