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1 (1853)
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164
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164 Uebcrgang zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit.

einer anderen Seite. Der Fraucndienst der Provenzalen und Italiener,äußerlicher, sinnlicher, neckischer, als der deutsche Minncdienst, wirkte aufdie Liebesdichtuug der Ersteren weit vortheilhafter, als die tiefe heiligeVersenkung der deutschen Minnesänger auf unsere Lyrik dieser Zeit. Sowahr ist es, daß es nichts so Hehres und Hohes gibt, dem nicht heil-sam wäre, sich seines irdischen Ursprungs zuweilen zn erinnern. Und wiesich gerade in dem Lande die feurige religiöse Begeisterung zeigte, in demdie ächte Religiosität nie so groß war wie in Deutschland, so kennt manauf der anderen Seite inDeutschland, trotz jener großenFrauenvcrchrung,bis auf den heutigen Tag nicht die französische Heraushebung der Frauenaus den Verhältnissen, die ihnen die Natur angewiesen hat; man ent-band sie nie von den Pflichten der Häuslichkeit und der Pflege des Mannes,und selbst imMittelaltersteht in allen rechtlichen und praktischen Verhältnis-sen das Weib hinter dem Manne zurück. So gut ist cs, sich der Geschichtezu erinnern, wenn man jene germanische Fraucnverehrung feiert. Die Deut-schen haben darin allerdings einen großen Ruhm, daß sie vielleicht unterallen Nationen der Erde zuerst und am vollkommensten dem Weibe ebendie Stelle angewiesen haben, welche die Natur selbst ihm bestimmt hat.Macht es ihrem Gefühle Ehre, daß sie das Weib aus der Unterorduungerhoben, so ehrt es ihren verständigen Sinn nicht minder, daß sie sich nieverleiten ließen, aus seiner Sphäre heranözurücken. Jene Zeit desFrauendicnstes im Mittelalter war eine vorübergehende. Je höher mandamals den Schwindel trieb, desto schneller und tiefer sank man herab,und die Gemeinheit und Unsittlichkcit, die man sobald auch iu den Dich-tungen in diesem Bezüge findet, entspricht ganz der Frivolität und Ketze-rei der Franzosen nach ihrem übertriebenen religiösen Aufschwung.

Wie sich nun unter diesen Einflüssen die Dichtung gestalten mußte,werden wir im Einzelnen näher hören. Wir werden sehen, daß das Alt-volksthümliche alsbald unter dem Eindrang neuer Vorstellungen aus derFremde weichen muß oder Mühe hat sich zu erhalten, auch das Antikewerden wir seine reinere Gestalt einer modernistrten aufopfern sehen.Den allgemeinen Wechsel und Uebcrgang werden wir, wie er in allenLebensverhältnissen Statt hatte, so auch in der Kunst, zum Theil sehrüberraschend finden; nicht allein von einem Charakter der Dichtung zumandern überhaupt, sondern auch von einem Theil eines und desselbenGedichtes zum andern. Wir werden eine Zcitlang die Legende undbiblische Helden in dem Epos herrschen und dann beide dem höfischenRitterthume und der weltlichen Erzählung Raum geben sehen. JederVeränderung im Leben werden wir eine ähnliche in der Dichtung ent-