166 Uebergaug zu der ritterl. Poesie der hohenstauf. Zeit. ^
schon nicht allein die äußere Mcnschcnkenntniß befördert, sondern auchdie innere Welt des Gcmüthcö stets weiter ansgedeckt. Je tiefereWurzel das Christcnthum in dem Volke schlug, das seiner Natur nachschon dem Beschaulichen zugcthan war, desto mehr legte sich die alte Roh-heit von selbst und wir sahen daher, wie schon in der Ottorrenzeit derGeist christlicher Frömmigkeit über dem Geschlechte ruhte. Durch dengcmüthvollen Gottesdienst, durch Kirchenmusik und Gesang, durch ein-drucksvolle und großartige Kirchen mit Einführung von Glocken, wurdedas Ahnungsvolle und Sehnsüchtige der aufkcimenden inneren Regungenzu einer Thätigkeit aufgeregt, die bald den Blick des sinnigeren Menschenvon den äußeren Werken und Thaten auf sein Inneres rief. Die Ent-stehung des Christcnthums in der Mitte von Verfolgung und Verleum-dung, bedingte es, daß man von Anfang an trachtete, durch unsträflichenWandel die Verleumdung zu entwaffnen, den Argwohn zu ersticken unddurch eigene Selbstbcwachuug die fremde nicht scheuen zu müssen. Einesolche strenge sittliche Beobachtung war zwar bei der Ausbreitung desChristenthums unter den Deutschen nicht so äußerlich bedingt, alleinbereits war bei den Verkündern derselben, bei Geistlichen und Mönchen,dies Rückzieher! aufs Innere herrschend und die Beachtung und Bestra-fung jedes kleinen Fehlers führte so früh das Pönitenzwescn herbei, dashier so entschieden charakteristisch ist und das man trotz aller Abscheulich-keit der Pönitcntialien nie als bloßes Kunstwerk schlauer Geistlicherhätte darstellen sollen. So konnte es Sitte werden, daß viele RittcrS-leute nach einem Leben voll Kampf im Kloster Abbuße thaten, und wiemanchem jungen kräftigen und lebenslustigen Waffenmanne mochte nichtdie Betrachtung eines solchen endlichen Ausgangs auch schon sein frühe-res Leben verleiden und ihn von roher Wildheit entwöhnen. Dies mußtedie Ordensregeln des Ritterwesens so gestalten, daß dem Waffcnruhmcein höheres Ziel gesteckt wurde. In diesen neuen Gesetzen mußten nebender Religion die Frauen nothwendig eine große Rolle spielen. Den insich gerichteten Kriegsmann wies die Abgezogcnheit des Lebens auf Bur-gen und der deutsche Familiensinn auf sein Weib; Weiber und Christen-thum sind auch zu aller Zeit die treuesten Verbündeten gewesen. Wieweit man mit allem diesem vor den Krcuzzügen gekommen war, läßt sichschwer darthun, weil die Quellen mangeln. Desto deutlicher wird es mitdem Eintritt der Krcuzzüge selbst. Die bewaffneten Wallfahrten stelltengleich bei ihrer ersten Erscheinung den schroffen Gegensatz zwischen der altenWaffenrohheit und der frommen Gutmüthigkeit und religiösen Dcmuth,jenen Gegensatz, der sich schon lange im Stillen gebildet, mit Eiuemmale