158 Uebergang zu der rittcrl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
bung dic Hauptbclchrung gibt, bei dieser Eigcnthümlichkcit war immerjedes größere Zusammentreffen der europäischen Nationen von dem be-deutendsten Einfluß ans die literarische Bildung. Darum blieb im frü-hen Mittelalter Rom fortwährend der Mittelpunkt der Cultur; darumbegann die neue Dichtung zuerst unter den Normannen, die in Berüh-rung mit Bretagnern, Flamländern, Franzosen, Angelsachsen und Britenam ehesten geistig erregt waren; darum war nach der Zerstörung vonConstantinopcl unter dem Zusammenfluß fremder Gelehrten und fremderKriegsheere Italien der Sitz der Bildung; und darum steigt in der neue-sten Zeit in ungeheueren Verhältnissen die Weite der Cultur, weil dicNationalscheidc gehoben ist und die Neiseg, auf alle Weise erleichtert sind.Man denke nun, wie jene Zeiten der Krcuzzüge in dieser Art großartigwirken mußten! In den Heeren der ersten Kreuzfahrt drängten sich, nachFulcher, Franzosen, Flamländer, Friesen, Waliser, Bretagner, Allobro-gcr, Lothringer, Deutsche, Normannen, Schotten, Engländer, Aquita-nier, Jtalier, Jbcrier, Dänen, Griechen und Armenier zusammen!Die Schriftsteller bezeugen, daß unter der Masse dieses Kreuzhccrs, ganzim Gegensatz zu den Führern, gutes Verständniß geherrscht habe; diefromme Begeisterung dieser ersten Zeit vereinte die Nationen unter demNamen der Christen und brachte die Stände einander näher. Was fer-ner Großes durch diese vereinten Kräfte geschah, fesselte zu Hause alleClassen des Volkes gleichmäßig. Hinfort konnten die lateinischen Nach-richten nicht mehr genügen und die Kreuzzüge riefen daher den Gebrauchder Volkssprache hervor. Noch fürchtete jener limosinische Ritter vonBechada (Grsgoire des Tours), daß sein Gedicht von der EroberungJerusalems (um 1120) wegen der Volkssprache, die er gebraucht, verach-tet werden würde, doch überwog der Wunsch, dem Volke sein Werk ver-ständlich zu machen. Je mehr die Theilnahme an den Thaten der Rit-terschaft wuchs, desto schneller wurzelte die Versöhnung der Gelehrtenmit der Volkssprache; je näher und höher plötzlich durch solche Werke derDichtung dem Ritterstande feine eignen Thaten gerückt wurden, destonäher die Bücher selbst. Die glänzendsten Helden der Kreuzzügc hattendas Schwert und die Laute geführt, nun drängte dic Ritterschaft dieGeistlichkeit aus dem Allcinbesitz der geistigen Bildung; der Verkehrerleichterte die Erlernung des Französischen und Lateinischen und allermöglichen Sprachen, so daß nun nicht allein zahllose Uebersetzungen auseiner in die andere erscheinen konnten, sondern auch Italiener und Deut-sche in zwei Sprachen dichteten. Die geistige Bildung ward aus kirch-licher zur poetischen Bildung, sie ward dadurch Gemeingut. Das Außer-