154 Uebergang zu dcr riktcrl. Poesie der hohenstauf. Zeit.
lichen Epen und Romane in demselben gradcn Gegensätze, wie Aristo-phanes gegen die griechischen Tragiker. Wie dieser dem ernsten Dramaund seinen heroischen Sitten des Alterthums die Gegenwart mit all ihrerGesnnkenheit im schneidendsten Widcrspiele cntgegenstellt, so dieses Ge-dicht ein gemein menschliches Treiben dem sublimen der epischen Helden.Die Erhabenheit des alten Drama'S zwang Alles, was sich ihr entgegen-setzen wollte, ins Komische; anders ward es hier, wo in den Epenkeinerlei Erhabenheit zu finden ist, weil immer die Gegenwart selbst ihrBoden war, die sie nur in einen übermenschlichen Glanz stellen. DasThierepos entzog daher dieser nämlichen Gegenwart selbst noch dasMenschliche, um sie eben so eine große Stufe hcrabznsetzcn, wie sie jenehinaufgcrückt hatten. Ein mit so außerordentlichem Gluck gewonnenerBoden, ein darauf so fest und sicher gegründetes Gebäude mußte sichvon gleicher Dauer und Gediegenheit ausweisen, wie die unsterblichenWerke des athenischen Komöden.
IV.
Uebergang zu der ritterlichen Poesie derhohenstailsischen Zeit.
1. Kreuzzüge.
Indem wir jetzt die Kreuzzüge und ihren Einfluß ans die poetischeLiteratur berühren, fühlen wir aufs neue, wie schwer es ist, selbst in soentfernten Zeiten so ungeheure Umwälzungen und ihre Einwirkungen zuüberblicken und in einer gedrängten Darstellung die Hauptpunkte so zutreffen, daß sich das Mannichfaltigc und Viele, was nicht im Einzelnenberührt werden kann, von selbst darum anlegt und jede Beziehung undjedes Verhältniß sogleich verständlich werde. Die vortrefflichen Männerin Frankreich und Deutschland, die der Geschichte dcr Kreuzzüge neuerlichdie Arbeit eines großen Theils ihres Lebens gewidmet haben, suchten inverschiedener Weise die Wirkungen dieser Bewegungen in Europa nach-zuwcisen; sie scheinen cs aber darin versehen zu haben, daß sie in Raumund Zeit sich zu sehr beschränkten. Wenn die Geschichte der Kreuzfahrtennicht Stückwerk bleiben soll, so muß nothwendig der ganze Kampf des