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Dic Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
sage liegt. Indem nun der Reinacrt überall mit einer Mäßigung undeinem Takte, der ganz unvergleichlich ist, diese grnndsatzlosen Geschöpfeimmer nur so handeln läßt, wie sie nach ihren Trieben handeln können,indem er sie nur in solche Lagen bringt, dic dem angemessen sind, somußte er nothwendig auch ihre Intelligenz begrenzen und dem Ausdruckeund der Sprache einen passenden Charakter geben. Natürlich also fielalles Vernünfteln, all das subtile, sophistische Geschwätz bei Lateinernund Franzosen ganz weg; alles planmäßige Entwerfen, aller größereUeberblick, alle Grundsätzlichkeit konnte nicht dienen; nicht einmal denWitz durfte er ihnen in dem Maße wie dic früheren Bearbeiter leihen.Es ist daher ganz vortrefflich, daß dic Thicre hier blos im Tone der täg-lichen Unterhaltung reden, aber stets dabei jene Wichtigkeit aus das Tri-vialste legen, welche auch der spießbürgerliche Wirthöhauögänger nie ab-legt. Wo sie sich über Hunger und Durst erheben, da sind es Gemein-plätze, dic sie reden; und die Bedeutung derselben hat man immer ge-fühlt, wenn auch uicht verstanden, man hat sie ausgezogen, mit gesperr-ten Lettern gedruckt, man hat in ihnen den Werth des Buches gesucht.Während jene Thicre der französischen Gedichte häufig in ihrer Thicrheittölpelhaft sich anstellen, mehr als eö die ihnen verliehene Weisheit inWorten und Werken gestattet, so reden sie hier — und so ist cs bei nennZehnteln der gewöhnlichen Menschen — immer viel gcscheidtcr, als siefind und wissen. Es liegt über dem Richtigsten und Wahrsten, waö siesagen (mit einer bewundernswerthen Kunst ist dies erreicht) ein — ichweiß nicht was von dummtreuer Philistern, dic uicht feiner geschildertwerden kann. Die Grenzen, die der Dichter der Jntclleetnalität seinerGeschöpfe ziehen mußte, waren gefährlich; leicht konnte dic unerträg-lichste Langweile daraus folgen, allein er wußte sich vortrefflich zu Helsen,indem er ihnen eben jene Altklngheit lieh und jenen Mutterwitz, der sichso gut mit diesen Grenzen vertrug. Hier haben eö die Späteren ver-sehen. Der Dichter des Reinacrt würde seinem Helden nie die Beichtein den Mund gegeben haben, in der Art wie sie der zweite Thcil imReineke enthält, so vortrefflich sic an und für sich ist, weil sie viel zusehr auf völlige Bewußtheit im Haudelu und Denken deutet. Auch istdiese Beichte noch in Willcm'S Fortsetzung weit verschieden von der Be-arbeitung im Reineke. Göthe hat es darin versehen, daß er diesen Fehlerim Reineke noch weiter treibt; eben in jener Beichte redet zuweilen ausseinem Fuchs eine vornehme, achselzuckendc Weisheit, die immer nochaus etwas Tieferes und Gchcimgehaltcncs schließen läßt; obwohl manzugeben muß, daß der ursprüngliche Ton im Allgemeinen auch von Göthe