Reinharl Fuchs.
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schcn Thierschwänken. ES steigt wohl eine Stufe zu tief, wenn hieralle Streiche, die vou Fuchs uud Wolf verübt werden, aus Frcßsuchtfließen; ganz anders sind die Triebfedern iin niederländischen Neuwert.Man sollte meinen, es leuchtet aus dieser Beredtsamkeit eine gewisseSchadenfreude manchmal, wenn cs darauf ankommt, den Isegrim zuplagen und zu schinden. Wenn scholastische Philosophie, wenn Be-kanntschaft mit antiken Dichtern, wenn gewandtes Latein und einzelneBeschreibungen einen Dichter machen, dann mag man den Verfasser desReinarduS vielleicht loben. Allein diese endlos breite Redseligkeit, die-ses Haschen nach Phrasen und Antithesen, diese Sophistik, Wortspielereiund schale Witzelei, diese stete Vernichtung jedes guten Gedankens durchewige Wiederholung, diese gedehnten Reden, die hier zwischen Zwölfund Mittag liegen und jeden Gang der Handlung stören, diese geradeIronie, welche ermüdend das Laster fortwährend preist und erhebt, daSAlles zu bewältigen, durch den ungeheuersten Wortschwall die dünnstenThatsachcn sestzuhalten und an ihnen sich zu vergnügen, dies ist mehrals man selbst einem Zeitgenossen deö flandrischen Geistlichen znmuthenkönnte, geschweige dem des Herausgebers. Mone hatte bei Herausgabedes Reinardus eine ältere Quelle richtig vcrmuthet, die mehr erzählen-der Natur wäre, als das Werk des 12. Jahrhunderts. Sie hat sichim Jscngrimus gefunden. Geschichtliche Anspielungen auf frühere Be-gebenheiten leiteten dabei, und Mone hat mit dem Reinardus die Ver-muthungcn weiter verfolgt, die Eeeard vorlängst über die historischenBeziehungen der Fuchssage ausgesprochen. Diese geschichtliche Deutunghat bei I. Grimm und Raynvuard Widersprüche, bei andern Deutschendagegen, so wie bei Willems und Anderen Beifall gefunden. Anspie-lungen aus geschichtliche Personen und Begebenheiten sind in der Thicr-sage immer als wahrscheinlich angenommen worden; den bestimmtenDeutungen im Einzelnen beizutrctcn, kann man in der Geschichtschrei-bung, wo das Sichere und Gewisse gesucht wird, reicht wagen, ehe ent-scheidende Zeugnisse gefunden werden. Doch zwingt die Wahrheitsliebeeinzugestchen, daß man der historischen Dcntnng deö KcrnS unsererFuchssage gcucigter werden muß, wenn man die Bedeutung der Allego-rie in den Poesien aller rohen Zeiten genauer beachtet, und in dem erneu-ten historischen Volkslicde im 14.—15., ja selbst im 17. Jahrhundertdie durchweg entschiedene Neigung bemerkt, geschichtliche Verhältnisse
138) kVanc. Or. 1729. 2, 781 sg. 797—809. Mone's Entgegnungen gegenGrimm, Raynvuard und einige Stellen unserer ersten Ausgabe s. Anzeiger VI, 28.