140 Die Dichtung in den Hanken der Geistlichkeit.
und Personell in Thierallegorien zu kleiden; wozu nun das freilich ge-ringe Beispiel in der Eebasis hinzukommt, die dieser Tropologie aus-drücklich geständig ist.
Schon im 12. Jahrhundert war eine hochdeutsche Bearbeitung desReinhart Fuchs von dem Elsässer Heinrich dem Glicheser(Gleisner) bekannt, die wir vollständig nur in einer Bearbeitung des13. Jahrhunderts kennen""). Vor nicht langen Jahren fand sich einBruchstück des alten Gedichtes '"), das ungefähr ein Drittel der Dich-tung umfaßt, und aus dessen Vergleichung sich ergab, daß der Ucberar-bciter dem Originale, das man um 1170 setzt, treu blieb und nur einigeveraltete Ausdrücke tilgte. Dieser ältere Dichter hatte wieder eine fran-zösische Quelle vor sich und in Frankreich waren Erzählungen vom Fuchsund Wolf"') schon im Anfänge des 12. Jahrhunderts so verbreitet,„daß man einem wildansschenden Menschen spöttisch den Namen Jsen-grim beilegen und Jedermann im Volke die Anspielung fassen konnte."Der deutsche Rcinhart Fuchs, oder wie der erste Dichter selbst cS nennt,das Buch von Jseugrims Noth, enthält auch außer dem Abenteuervon der Ursache der Krankheit des Löwen unv von seiner Vergiftungnichts, was nicht in dem französischen Renart irgendwo wieder erschiene,und wenn es uns nicht darauf ankommt, die einzelnen Verschiedenheitenin dem Ton und Geist des Renart und Rcinhart ausdrücklich hcrvorzu-heben, so dürfen wir sagen, daß daS hochdeutsche Gedicht bei etwasgrößerer Zucht, Naivclät und Anspruchslosigkeit und bei größerer Kürzeim Allgemeinen den Stil der französischen Erzählringen hält und mitdem Renart in Eine Linie gesetzt werden kann.
Wie die kleinen Legenden oder Lontes clovots, so berühren sich wie-der dieser deutsche Rcinhart und die französischen Branchen des Renartmit dem Fabliau und Schwank. Wir wollen nicht anders als mit denallgemeinsten Winken auf diese Gattung eingehcn, die erst in den Zeitender absinkenden Ritterzeit und der Reformation ihre rechte Verbreitungund Pflege bei uns fand. Mancherlei (obwohl gegen den Reichthum derFranzosen nur weniges) eristirt davon in Handschriften wie die Heidel-berger 341 und die Wiener 2885; in dem Koloezaer Coder, in Laß-
140) Im Kcloczaer Coder altd. Ged. Pksth 1817. Hergestellt von I. Grimm indem oft angeführten Werke.
141) I. Grimm, Sendschreiben an K. Lachmann. 18-40.
142) Siehe Itn^nouaeO im Innen, Oos Lnvans 1820. p. 330. und Grimmcag. 10.