Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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135
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Reinhart Fuchs.

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hörte. Hier muß mau sich allerdings hüten, überall angelegte und ab-sichtliche Allegorie zu suchen, allein man muß auch auf der anderen Seitedas Allegorische, was diese ganze Dichtung ihrer Natur und ihrer Ent-stehung nach air sich hat, nicht verkennen; inan darf ferner nicht leugnenwollen, daß nicht einzelne Bearbeiter der Sage sich das Verhältnis; die-ser Art von Poesie und ihres Inhaltes zum Leben mehr oder minder klargemacht hätten. Leugnet man das, indem man unklaren Gedanken überVolksdichtung nachhängt, ab, so stemmt man sich gegen das schönsteVorrecht des menschlichen Geistes; und die, welche auch in dem heroi-schen Epos jede bedeutendere Einwirkung eines letzten KnnstdichterS leug-nen wollten, könnten sich eben an der Geschichte der Thiersage, könntensich an dem Rcinaert belehren, der in der reinsten Bewahrung der Volks-niäßigkeit, nicht im Erfinden, aber im Erfassen der Grundform dieserDichtung, eine Thätigkeit des Dichters kund gibt, die fast statt eigenerSchöpfung gelten kann.

Es ist in die Angen fallend, daß in dem ganzen Kreise dieser Dich-tungen der Wolf in älterer Zeit die Hauptrolle spielt und daß er spätererst von dem Fuchs verdrängt ward, der in den älteren Gedichten znmThcil eine schlechte Rolle, sogar oft die dcS Bevorthcilten spielt. Wärecs auch nicht ausdrücklich gesagt, so würde doch ans der ganzen anfäng-lichen Behandlung des Wolfs, wo er mehr für sich auftritt und nur ge-legentlich mit dem Fuchs wie mit jedem anderen Thicre in Berührungkommt, sodann aus seiner erst später schärfer vertretenden Stellung zumFuchs und ans dein letzten, in dem Rcinaert und dessen Fortsetzung stetsbestimmter werdenden Auftreten des Reinhart nicht zu verkennen sein,daß hier wie in eincrzufälligen Personifieatioudie Geistlichkeit, die großebewaffnete Ritterschaft und die späteren ritterlichen Hoflcutc und Rcchts-gelehrtcn erscheinen, wie denn der Wolf ausdrücklich erst stets als Mönch,dann als großer Vasall, und der Fuchs zuletzt als Kanzler auftritt.Nicht, daß ursprünglich in den Thicrsagen diese Bezüge sogleich gelegenhätten. Allein die erste Gestaltung eines Thierstaates konnte doch nichtanders, als sie mußte das Bild dazu von dem wirklichen Staate neh-men; und so mag es wohl sein, was Grimm aus andern Ursachen undübrigens nach einem ausdrücklichen Zeugniß (p. DI.) behauptet, daßeinst, als noch nach einheimischen Rechten Könige waren, der Bär dasReich der Thiere beherrschte, und daß erst, nachdem das biblische König-thmn von Karl dem Großen cingcführt ward, der habsüchtige, jähzor-nige, lenksame, in anerkannter Majestät unthätige Löwe den Thron ein-uahm, der in allen Zügen jenen Königen des ernsten Epos entspricht.