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Die Dichtung i» den Händen der Geistlichkeit.
Schlag Menschen. Das ganze Alterthnm kennt keine Freude an der Na-tur, und Freude an der Natur ist ein Grund dieser Dichtungen. Dasfrühere Alterthnm kennt nur Naturwunder, aber keine Naturgeschichte,und kein Bestreben darnach; cS kennt die Art von Jagd und Jagdlicbedurchaus nicht, die das ganze Mittelalter oft bis zum Unsinn steigerte.Es ist ein kecker Ausspruch von Grimm, daß ihn alter Waldgeruch ansdem deutschen Thiergedicht anwche, aber es ist ein Ansspruch, dessenganze Wahrheit jeder fühlen wird, der diese einfache Dichtung in einemunverdorbenen Gemüthe anfnimmt, der Sinn für Natur und Leben imFreien hat. Allein nun probe man die feinsten Sinne, ob etwas vondiesem Dufte in der äsopische» Fabel liegt! Nicht die Spur! Aber istsie darum jünger, unreiner? Vielmehr spricht eine Kindlichkeit, ein Vcr-hältniß zwischen Thier und Mensch, aus ihr, welche die deutsche Thier-sage nicht mehr erreicht, wo schon eine größere Kluft zwischen beiden Ge-schöpfen liegt, wo es unleidlich und oft ekelhaft wird, wenn in den fran-zösischen Thierschwänken manchmal der Mensch, aber ja nur der Bauer,mit dem Thicre in feindliche' Berührung und meist zu seinem Schadenkommt. In den Fabeln ist gleichsam der Mensch noch das lernende Kindund für das lernende Kind sind sie auch jetzt noch im Gebrauche. Aberin dem deutschen Epos läßt sich der Mensch zu dem Thicre ganz fühlbarherab; in den lateinischen Sagen sieht man ordentlich den schreibendenPfaffen, der sich freut, seinem Wolf seine mönchische Sophistik zu leihen;im französischen Renart ist das Bewußt-Menschliche der Thicre weit zudeutlich, und cs forderte ein künstlerisches Rückschreiten zum Einfacherenselbst in diesem Epos, wie später in der Fabel, um dahin zu gelangen,wo, wie im Reinaert, die Thierwclt wieder reiner, ungestörter von un-passend geliehenen höheren menschlichen Eigenschaften und Zuständenerscheint. Daß sich nun das deutsche Mährchcn trotz all dieser Verschie-denheit mit der äsopischen Fabel so sehr verschmolz, lag einfach darin,daß diese Fabel dem Mittelalter in einer Gestalt zugcführt ward, welcheihr strenges inneres Band schon aufgegebcn, schon viel mehr die Erzäh-lung zur Hauptsache gemacht hatte; gleichwohl konnte sie nur unter man-cherlei Veränderungen zu jener Verbindung tauglich gemacht werden.
Die Freude an der Natur, welche der »eueren Zeit im Gegensatzzum Alterthum eigenthümlich ist, die sich in den frühesten Gedichten desganzen Mittelalters ausspricht, und worin übrigens das Alterthnmin seinem Absinken der germanischen Natur entgegen kam, diese Freudean der Natur, am Beobachten des pflanzlichen und thierischen Lebens istdie Seele dieser Dichtungen. Das Alterthnm kannte in allen seinen