Neinhart Fachs.
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alten Reinheit und Einfachheit zurückzukehrcn,) sich geltend machte, alleschaffenden und denkenden Köpfe beschäftigte, und zuerst unter allen Dich-tungsarten jene alte klassische Einfachheit erreichte. In dem größtenWirrwarr einer aufblühendcn, von Fremdem übcrflntheten Literatur hebtsich die äsopische Fabel aus der ärgsten Entstellung zu ihrer einstigenschmucklosen Reinheit heraus, und ehe sic diese von Lessing erhielt, warin Deutschland keinerlei Aussicht zu irgend einer klassischen Dichtung.So sehr ward damals die alte inwohnende Kraft der Fabel erprobtgesunden, daß sie unter einer Masse von werdenden Dichtungen als daseinzige Werthvolle dasteht, daß sie in Brcitingers Theorie als die voll-kommenste Dichtungöart genannt wird. Als eine vollkommene Schöpfung,als eine Erfindung hat die Fabel von jeher die größten Köpfe gereizt:am meisten immer die, welche in der Dichtung ein verständiges Prineipnicht vermissen wollen. Die größeren Dichter, wie Göthe und Schiller,hat sie als Gedicht kalt gelassen, Göthen nur einmal als historische Er-scheinung angezogen. Nur solche Zeiten, welche die Dichtkunst zur Ver-standessachc machten, haben auch von je die Fabel begünstigt. Wäre dasEpische in der Fabel ihr Ursprüngliches, so würde daö gerade umge-kehrt sein; das Epoö seinerseits hat sich mit solchen Zeiten nie vertra-gen. Man kann daher nicht sagen, daß dies Lehrhafte und Verständigein der Fabel späterer Zusatz oder Zeichen von Ausartung sei. WennGöthe schon, seines dichterischen Genius sich bewußt, die homerische Viel-heit nicht leiden mochte, wie würden Alle., die je Fabeln ersonnen underdichteten, aufschreien, wenn sie hörten, Alles das sei gescheiterter Ver-such gewesen! Gerne würden sie zugeben, ihre Versuche ständen so weithinter Aesop zurück, als sic, die Dichter, von.der Natur, von Einfachheitdes Lebens, von Kunst der Beobachtung, von Schärfe der Sinne hinterdemAltcrthnme überhaupt zurückständcn, und sie näherten sich ihm um somehr als sie allem diesem näher kämen, allein darin würde all ihr Zuge-ständniß und ihre ganze Entschuldigung liegen.
Es gibt einen zweiten, ganz verschiedenen Zweig der Thiersagcdagegen, der in Deutschland von uralter Zeit her bestanden haben mag,der uns oder dem Norden überhaupt ganz cigenthümlich, von allerThier-fabel aber ganz unabhängig ist. Diesen Zweig möchte man Thiermähr-chen nennen. Er tritt nicht allein in unserem größeren, durch Einmischungalter Fabeln entstellten Epos auf, sondern auch in besonderen unabhän-gig gebliebenen Mährchen; und die von Grimm mitgetheilten esthnischenund serbischen Fabeln, welche die völlige Gcschiedcnheit der nordischenThiersage von der äsopischen Fabel bestätigen, sind hier von unschätz-
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