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1 (1853)
Entstehung
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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.

Lafontaine und Geliert als eine Entartung, ja von den berühmtesten die-ser Erzähler selbst als eine Entartung ist angesehen worden, und es gibtfast keine Stimme, die nicht Lessings Rückschrciten zu der alten Einfaltein Zürückgehen auf das Alte und Aechte genannt hätte. Solch einer inJahrtausenden feststehenden Ansicht cntgegenzutreten, ist gegen alle histo-rische Möglichkeit. Solch eine Ansicht, wenn sie Jrrthum sein sollte,müßte ein Jrrthum sein, der ans einer Wahrheit ruhte, und kann alsonur Jrrthum scheinen, aber nicht sein. Der strenge und trockene Bortragist überall ein Kennzeichen der Ursprünglichkeit und des Alters künstleri-scher Formen. Die Ursprünglichkeit der Fabel als Gattung aber ist ebenso natürlich und erweislich. Die Thicrdichtnng gibt nicht wie das Eposdas reine Bild einer bloßen Anschauung: zu dieser höheren reinsten Gat-tung der Poesie gehörten große und edle Gegenstände einer Welt vonHelden und Göttern. Sie gibt das allegorische Bild einer abgezogenenBetrachtung, und bezieht sich auf wirkliche Verhältnisse, die durch diefreie Umgestaltung erst den poetischen Adel erhalten. Diese Dichtung, inHaus und Heimat gewachsen, geht vom geselligen Bedürfniß ans; siemußte in ihren Anfängen das Verhältniß von Mensch zu Mensch, dasmoralische Verhältniß gleich Berechtigter schilvern, und mußte in ihremFortgang auf das Verhältniß von Stand zu Stand, das politische Ver-hältniß ungleich Gestellter kommen, ein Fortschritt der in der menschlichenEntwickelung nothwendig ist. Jenes schildert die Fabel; es ist ein Ver-hältniß, das dem Weltlans gegenüber nur in der Theorie erscheint, ebenwie es die lehrende Fabel darstellt; dies andere Verhältniß aber ist einthatsächlichcs, dessen Darstellung nothwendig auf die epische, erzählendeForm führen mußte. Die Fabel muß daher in ihrem Entstehen selbstän-dig und lehrhaft gedacht werden, als Anfang einer nieder» Kunst, einerGenredichtung, die sich im Thierepos in freierer Lebendigkeit ansbildet.Zeiten der ersten, aufkeimendcn Theilnahme des unteren Volks an derPoesie, Zeiten der herrschenden Lehrdichtung haben denn auch immer dieäsopische Fabel wieder gesucht, und in Deutschland ist dies nicht alleinim dreizehnten Jahrhundert sichtbar, wo dieselbe, nachdem sie lange ihremStoffe nach Eingang in das Thierepos gefunden, nun auch ihrer Formnach ihre eigene selbständige Entwickelung beginnt und dies fast, denersten Spuren nach, seit dem welschen Gaste, eben dem Buche, welchesgleichsam die höhere Ritterdichtuug verabschiedet; sondern es zeigte sichnoch viel deutlicher im 18. Jahrhundert, wo die Fabel im engsten Ver-band mit der Lehrdichtung stand, und zugleich in einer Zeit der schöngei-stigen Vielseitigkeit (die nur die Nothwendigkeit dunkel empfand zu einer