Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
125
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Reinhart Fuchs.

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lingen gebunden sei an einen unerfundcncn und unersindbaren Stoff, überden die Länge der Tradition gekommen sein muß, ihn zu weihen und zufestigen."

Aber hier müssen wir bei dieser Zusammenfassung von Thiersageund Thierfabel sogleich stille stehen. Die beiden Grimm sind haupt-sächlich, welche in Deutschland auf den Unterschied von Volks- undKunstpoesie aufmerksam gemacht, welche es bei uns dahin gebracht habendaß an der volkSmäßigcn, allmähligcn Entstehung unserer großen Epen,so wie der der Griechen, kaum ein Zweifel übrig bleiben darf; sic habender Geschichte der Dichtkunst dadurch eine Gestalt gegeben, welche sie beiuns wohl nie wieder verlieren wird, welche die Franzosen aber schonschwerer, die Engländer noch weniger, Italiener und Spanier aber garnicht annehmcn werden. Dies hat seine deutlich nachweisbaren Ursachen,es hat seine Erklärung und Entschuldigung in sich. Die Volksmäßigkeitder Dichtung der verschiedenen Nationen hat Grade der Völligkeit oderMangelhaftigkeit je nach der Geschichte, der Bildung und namentlich üachder Stellung der untern Volkselassen in den Völkern. Darüber Beob-achtungen zu sammeln, wäre vor Allem Noth gewesen, ehe man in vagerUnbestimmtheit Alles Volkspocsie genannt hätte, was in irgend EinemZuge nur etwas Volksmäßiges verräth. Bei unseren deutschen Forschernnun ist die Vorliebe für alle Volksdichtung zu einer Höhe getrieben, aufdie zu folgen schon der rein nationale Sinn dieser Männer gehört, derdiese Eine Richtung vielleicht mit zu viel Verachtung der cutgcgenstehen-den ergriff. Sie haben nicht allein Volkslieder und Epen für sehr werth-voll gehalten, über die mancher Andere anders urtheilen möchte; siehaben aber auch Volksdichtung oft genannt, was doch nur sehr uneigcnt-lich so genannt werden kann. So hat denn auch Grimm hier in derThierfabel (und dies mit Recht) volksmäßige Dichtung gesehen, und erdenkt Thierfabel, Thiersage, Thierepos, Thiermährchen auf einerleiStamm gewurzelt.

Ein Stamm mag auch das Alles in der That getragen haben, undes wird eben der sein, der vorhin bezeichnet wurde. Wenn aber dasThierepos und die Thierfabel in Einer Folge als Blüte und Frucht eineseinzigen ungeimpftcn Zweiges dieses Stammes angesehen werden soll, sowissen wir dieser Ansicht nicht zu folgen. Die Thiersabel ist von demCharakter des Thiercpos, da wo dieses am reinsten ist, grundverschieden;und nichts ist vielleicht hier beweisender, als das Gefühl jedes Unbefan-genen, dem beim ersten Lesen unseres Reineke die äsopischen Fabeln, diedort in den zweiten Theil Eingang fanden, aufs unangenehmste lästig,