Neinhart Fuchs.
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4. Reinhart Fuchs.
Diese Dichter der Thicrsage gehen unö eigentlich auS dem doppel-ten Grunde nichts an, weil sie nicht ans deutschem Gebiete und nicht indeutscher Sprache dichteten. Wir müssen aber an dieser Stelle aus demdoppelten Gegcngrundc darauf eingchen, weil die Thiersagc, diese merk-würdige Erscheinung, der wir die trefflichsten Dichtungen des Mittel-alters danken, unter deutschen Stämmen entstand und in ihren erstenKeimen gewiß zu Zeiten zurückfühlt, wo unsere Väter noch nicht in ent-fremdete Völkerschaften zcrtheilt waren; und weil sie nach Deutschlandnach der Zeit ihrer Vollendung zurückkchrte, so daß wir die ganze Gestal-tung der Sage nur unvollkommen erkennen würden, wenn wir nicht auchjede fremdeBcarbeitung derselben in denKreisunsererBetrachtungzögen;und dann, weil der Reinarduö, das lateinische Gedicht eines FlandererSaus der Mitte des 12. Jahrhunderts, der grellcVertrcter jenes Gegensatzeseiner polemischen Dichtung im weltlich-staatlichen Interesse gegen diepäbstlichcn Anmaßungen und die Neberhcbnngcn des kirchlichen Lebensist. Die Bedeutung der Sache wird entschuldigen, wenn wir umfassend,aber so kurz als thunlich, dem Gange, den dieser Zweig der Volksdich-tung genommen, zu folgen suchen, und daher, wie bei dem heroischenEpos in verschiedenen Perioden seine verschiedenen Umwandlungen einer-getrennten Betrachtung unterwerfen.
Erst in unseren Tagen ist diese geschichtliche Betrachtung des Thier-epos möglich geworden, nachdem die älteren lateinischen Bearbeitungendurch Grimm und Mone, die französischen durch Mcon, die altholländi-sche durch Grimm und Willems bekannt gemacht wurdenWas manbisher über diese merkwürdige Dichtung gesagt hat, die einzige des frü-heren Mittelalters, die eine fortdauernde Theilnahme zu allen Zeitengefunden hat, weil sie nicht die eigenthümlichen Zustände jener Zeit ausdem engen Gesichtspunkte eines einzelnen Standes von halber Bildungnur halb verständlich überliefert, sondern die allgemeinsten menschlichenVerhältnisse in stets gültiger Betrachtungsweise auffaßt, ging selten über
130) Ilelnaidus Vulpes, ed. 3lone. 8ruttg. u. IlHbinALn 1832. l,e Koma»du Ilona,t, ed. IVldon. Paris 1820. Neinhart Fuchs. Von Jacob Grimm. Berlin1834. Ileinaert Os Vos. ed. 3. I?. 4Vi>Iems. 1830. Dazu kann man noch die neueAuflage der Lübecker Ausgabe des niedersächsischen Reineke von Hoffmann von Fallers-leben (Breslau 1834) nehmen, so hat man alles Material zusammen.