Fränkische Zeit.
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Und sobald dies geschehen war, so sieht man auch leicht, warum dieGeistlichen daun nicht länger die Dichtung in Händen behalten konnten:Minnelieder und britische Liebesromane von Geistlichen bearbeitet zulesen, die keinen Umgang mit Frauen kennen sollten, wäre doch ein allzu-großes Aergerniß gewesen. Noch im 13. Jahrhundert begegnet dieseGattung poetischer Reden, in den Zeiten, als man sich über die Sünd-haftigkeit des weltlichen Rittergesangcs Zweifel zu machen begann, undals die Dichter weltlicher Mähren in späteren Jahren zu der sühnendenLegende griffen. Von einem solchen Dichter des 13. Jahrhunderts, dersich seines früheren Weltsinnes abgethan, und der in dem Sinne ent-schlossener Weltverachtung von den Freuden dieses Lebens wegwcist zudem Glück dort oben, wo tauscud Jahre wie Ein Tag sind, ist die W ar-nun g"'), eine längere Rede, die so, wie die reuigen Legcndendichter des13. Jahrhunderts vor den epischen Rittergedichten warnen, gelegentlicheinen strafenden Blick aus den Minnegesang von Sonnenschein, Som-merfrende, Blume und Nachtigallen wirft, in denen man das Werk lobt,aber des Werkmeisters nicht gedenkt.
Bis hierhin haben wir uns fast jeder Erwähnung von Dichtungenenthalten, die ganz außer diesen östlichen Kreis von Oesterreich fallen.Es habenaberdicseDichtungen selbst zum großenTheile sehr bald den Wegüber die Grenze gefunden. Viele derselben erscheinen noch im 12. Jahrh.im Westen, am Rhein, überarbeitet wieder; so einzelne Theile der Vorauerund Millstätter Handschriften, Hartmanns Glauben, Heinrichs Litanei;und zwei größere Werke, die wir erst später kennen lernen, wie die Kai-serchronik und das Alcranderlied tauchen in West und Ost fast zugleichauf. Diemer erklärt sich dies daher, daß viele österreichische Geistliche derpäbstlichen Partei vor den Verfolgungen während des Jnvcstiturstreitsin westlichen Klöstern, nach ausdrücklichen Zeugnissen besonders in St.Blasien, Schutz suchten und fanden, und die dichterischen Erzeugnisse ihresVaterlandes dorthin mitbrachtcn. Dies könnte allerdings eine solcheVerpflanzung der österreichischen Dichtungen erklären. Wie manchersüddeutsche Geistliche mag auch aus diesen Klöstern, wie jener Anno (derspätere Erzbischof von Köln) aus der Stelle eines Vorstehers der Bam-berger Schule, nach Nord- und Westdeutschland übergewandert sein!Außer allem dem fehlt es aber auch nicht an den Anzeigen, daß der gleichefromme Trieb, der diese Werke im Osten gestaltete, doch auch an anderenOrten unter den Geistlichen selbstthätig sortwirkte, was dann die Nach-
IL7) Gedruckt in Haupts Zeitschrift f. d. Alterth. t, 438.