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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
auSgebreitet hat. In Melk ist 1123 ein schönes, von Gleichnissen aufdie Jungfrau blühendes, aber doch einfaches Lied geschrieben worden*'");ihm reiht sich die in den Büchern Moses' eingeschaltete Hymne und dieSequenz an, die Dicmer am Schluffe seiner Sammlung mittheilt. Auchin dem Theile des „Loblieds ans die Jungfrau" (bei Dicmer p. 295), derwirklich an sie gerichtet ist, sieht man, wie unfern österreichischen Dichterndes 12. Jahrh. die bilderreiche Beredsamkeit zu ihrem Preise strömt.Auch ein, wie cs scheint, episches Gedichtform unserer Frauen ist voneinem Meister Heinrich hier gedichtet worden, das von Konrad vonFusscsbrunnen erwähnt wird. Dieses ist uns verloren, und die andernepischen Marienlcbcn, die wir aus dieser Zeit besitzen, führen uns schonüber die österreichische Gränze hinüber. Auf sie kommen wir später zurück.
Noch aber sind dies die verwandten Gruppen der Dichtungen diesesGeistes und dieserZeit nicht alle. Es lag nahe, daß Hebenden erzählendenund sangbaren religiösen Dichtungen auch lehrhafte Stücke entstanden,daß sich Beichte, Litanei, Bekcnntniß und Predigt ebensowohl wie diebiblische Geschichte in dichterisches Gewand kleiden würden. Die Hand-lungen der religiösen Sage sind gerecht und fromm, die Helden sindHeilige, die Erzählung von ihrem Beispiele führten gradcn Weges indie Lehre herüber. In dieser Richtung stehen jene Hartmann und Hein-rich im Mittelpunkte einer neuen Dichtcrgruppe. Der „arme Hartmann"gibt uns in seiner Rede „vom Glauben**'") eine umschreibende Pre-digt voll Latein und Gelehrsamkeit über die Glaubenösormel, wo er dieLegende zur Einschärfung seiner Lehren benutzt, die überall im Geiste dervorher besprochenen Dichtungen von Ncbcrmuth, Reichthnm, Gewalt-that und weltlicher Ehre hinweg der Gottesfurcht und Rettung der Seelezuleiten. Solche gereimte „Reden" bilden eine ganz förmliche Gattungin dieser Zeit des 12. Jahrhunderts, in der man auch gelegentlich überden biblischen Stoff hinübergreift. Dieser Art ist die Rede des Thü-ringers Werner von Elmendorf*'*), die in der wiederholt aus-gesprochenen Absicht, den Menschen zu lehren was er zu seinen Ehrenbedarf, eine Reihe nicht geistlicher sondern weltlicher Vorschriften ent-hält, die nicht aus derBibcl, sondern aus einer Anzahl römischer Schrift-steller gezogen sind, mit denen die Bibliothek des Probstes von Heiligen-stadt, Dietrich von Elmendorf, wohl besetzt gewesen sein muß, welche
IIS) Fundgruben?, 142.
120) In Maßmann's Gedichten des 12. Jahrhunderts p. 1 ff.
121) In Haupt'S Zeitschr. 4, 284.