114
Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
ein Kehrstück. Dort sind Geschichten des alten Testaments erzählt, mitHinweisung ans den darin vorbedcutcten Christus; hier ist das LebenJesu vorgetragcn, mit wohlthuender Sinnigkcit, mit weiblicher Vorliebesür die gemüthvollcren Seeuen (Nachtmahl, Oelberg u. a.) und mit charak-teristischen Ausbrüchen des persönlichen Gefühls bei der Kreuzigung, unddabei wird gelegentlich auf die weissagenden Ereignisse, die Vorhersagun-geu des Psalmistcn und andre Bezeichnungen zurückgewiesen. Mit dieser ^Ava hat dann Diemcr zwei namhafte Dichter dieser Zeiten und Gegen-den, Hartmann, den Verfasser einer Rede vom heiligen Glauben, undHeinrich, von dem das Gedicht von des Todes Gehügcde ist, in engsteBeziehung gebracht. Er halt den crstcren für identisch mit einem gelehr-ten frommthätigen Priester dieses NamenS (ss 1114), einem würdigenGenossen der Altmann und Gebhard, der in Passau zum Priester gebil-det, während des Jnvcstiturstreits wahrscheinlich nach St. Blasien ge- !flüchtet war, und dorther 1093 oder 1094 nach Göttweih berufen wur- ^de *"0). Er wäre dann, nach Diemer, der Bruder jenes Heinrich, undbeide die zwei Söhne, die sich Ava am Schlüsse des Lebens Jesu zu-schreibt"'). Beide macht Diemer dermaßen zum Mittelpunkte der ganzenösterreichischen Dichtung dieser Zeiten, daß er dem Verfasser des Glaubensauch die Bücher Moses', den Pilatus, die dem Leben Jesu angehängtenStücke vom Antichrist und jüngsten Gericht, dem Verfasser der Todes-mahnung aber das Anegeuge, die Litanei, das Pfaffcnlebcn und das Lobder heiligen Jungfrau zuschreibt. Wir können dieser Vcrmuthung nichtanhängen, weil die sprachliche und dichterische Beschaffenheit dieser zu-sammcngestellten Werke zum Theil sehr weit auseinander liegt, weil unsder „arme Hartmann," der Dichter des Glaubens, nicht den Eindruckmacht, als sei er jener Prälat, der bei Kaiser und Pabst in hohem An-sehen stand, weil wir nicht für glaublich halten, daß der „GottesKnecht" Heinrich, der die Litanei schrieb, derselbe „arme Knecht" Heinrichsei, der dieTodcsmahnung dichtete. Wir führen aber Dicmer's Meinunggern an, weil sie mit einem Male das innige Verhältnis! anschaulichmacht, das, wenn nicht zwischen diesen Dichtern, doch zwischen allen idiesen österreichischen Dichtungen des 12.Jahrh. Statt hat. Wie es mit
I0S) Daß der gleichzeitge Abt Hartmann in St. Lambrecht derselbe Mann sei,wie Diemer will, wird mir zweifelhaft, da v. Meiller ein anderes Stiftungsjahr diesesKlosters und eine andere Lebenszeit seines ersten Abtes Hartmann (1873—I1V9) angibt.187) Dirre buoed dilitüte rrveier cbinde inuoter,
diu saxeten in disen sin; inieliel mandungs rvas ander in.
der inuoter rvären diu eliint lieg ; der eine von der rverlt seiet, p. 882.