Fränkische Zeit.
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Handlung desselben Gegenstandes, das „Aucgenge"E) dem12. Jahrh. lesen, wo an die Stelle des Hymnenschwungs Predigttontritt, Controversen an die Stelle der Erbauung, wo die Beziehungenzwischen Schöpfung und Erlösung kritisch und philosophisch betrachtet,und dabei mögliche Zweifel und Irrungen geschlichtet werden.
Wenn jene beiden Dichtungen in Franken entstanden sind, so habensie doch ihre Hauptwirkungcn in Oesterreich gemacht. Es läßt sich dazuselbst ein äußerer Anlaß vcrmuthen: jener Altmann ist nach der Be-schreibung seines Lebens, die unseres Ezzv so rühmlich gedenkt, in dessenGesellschaft mit in der Pilgerfahrt von 1065 gewesen; er konnte dieseGedichte nach Oesterreich gebracht haben, wo sic uns erhalten sind, und er-wirkte weiterhin alsBischoffvon Passau (1065 — 91) ganz in dem Geiste,der sie durchdringt. Als der furchtbare Kampf zwischen Heinrich IV. undGregor VII. auch diese Gegenden mit Zerrüttungen traf, die Geistlichenin den Cölibatstreitigkciten verwilderten und sich zerwarfen, in der steiri-schen Fürstensamilie Bruder mit Bruder sich entzweite, wirkte Altmann inOesterreich, wie Erzbischofs Gebhard von Salzburg (1060—88) in Stei-ermark und Kärnthen, mitten in den Stürmen der Zeit als unbeugsamerDiener Roms aus eine Umgestaltung und Neubildung des kirchlichen undklösterlichen Lebens hin; es wurden Stifte und Klöster"^) neu gegründetund andere reformirt und der strengen Ordnung der Benedirtincr unter-worfen, die seit Karl dem Großen so viele geistige Thätigkeit in Deutsch-land angeregt hatte. In diesen Gegenden blühte daher ein Nachsommerder geistlichen und geistlich-dichterischen Bildung auf, als sie im Süd-westen bereits unterging. Die größere Ruhe, die seit dem Tode Gregors(l085) hier im Osten einkehrte, die Unterstützung der Babenberger undOttokarc, Leopolds des Starken in Oesterreich und Ottokars V. und VI.in Steiermark, förderten dies gehobene Leben und diesen neuen Geist.Bis tief ins 12. Jahrh. dauerten die Reformationen und Neustiftungender Klöster fort, in welchen dann die Handschriften gefertigt und bewahrtwurden, deren Bekanntmachung uns neuerdings erst diese literarischePeriode erhellt hat. Dann trat der neugewonnene Bildungstrieb inden Adel und die Höfe über, wo er sich erhielt, so lange die österreichischenLandestheile klein und getrennt, dieBevölkerung ungemischter, die äußerenEinflüsse geringer, das religiöse Bekenntniß noch ungeschälten war. In
102) In Hahns Gedichten des 12. und 13. Jahrhunderts, p. I ff. — 1840.
103) Ich zähle in der Nebersicht im Anhang von A. v. Meiller's Regesten (Wien1850) neun solcher Stiftungen während Altmann'ö und Gebhard'S Amtsführung, dar-unter sieben Benedictinerklöster.