Fränkische Zeit.
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gewesen sind. Diemer, der hier durch die Herausgabe der VorauerHandschrift'"") ganz neues Licht gezündet hat, glaubt nun (nach seinenMittheilungen in den Sitzungen der Wiener Akademie), daß jene beidenGedichte Ezzo'sunS wirklich in zweien Stücken dieser Handschrift erhaltenseien. Denn daß jene beiden Zeugnisse nur auf Ein und dasselbe Liedgingen, bezweifelt Diemer mit Recht, weil aus der Pilgerfahrt zu jenemUcbertritt ins Klosterleben nicht wohl Anlaß und Gelegenheit war; erglaubt eher, daß das Lied, das diese Wirkung machte, um 1063 verfaßtsei, als Günther das Collegiatstift St. Gangolph zu Bamberg voll-endete; und er nimmt an, daß cS uns in der „Schöpfung" (p. 93seines angeführten Werkes) vorliege. Dies ist aber darum zu bezwei-feln, weil dies Gedicht, nach Sprache und Schreibung, wohl früher zusetzen ist und dem Anfang des 11. Jahrhunderts näher liegt, als seinerzweiten Hälfte. Das kleine Stück stellt die Schöpfung und Erlösung,Geburt und Wiedergeburt der Menschheit, den ersten und zweiten Adamin jenen tiefsinnigen Gegensatz, der das geistige Band um das alte undneue Testament schlingt; es ist die Arbeit eines ernsten und gehobenenGeistes. Durch die Vereinigung einer gewissen ursprünglichen Frischein Erfassung und Deutung dieser Mysterien mit einer verstechenden Fer-tigkeit in abgezogener Betrachtung schlägt dies Gedicht (wie auch dasnächst zu erwähnende) eine Brücke zwischen der religiösen Tiefe der erstenKirchenväter und der geistigen unserer späteren Mystiker, von Augustinzu Eckard. Die bildlichen Vorstellungen von der Ausstattung der Men-schen mit den verschiedenen Eigenschaften und Kräften der Elemente, derGeschöpfe und des Schöpfers selbst, und die symbolische Deutung derThatsachen des alten Testamentes sind nicht Eigcnthnm des Dichters;jene sind ans Isidor und aus Gottfried von Viterbo entlehnt, diese sindGemeingut aller christlichen Denker und Prediger gewesen; doch abermuß man, um dies kleine Gedicht zu schätzen, vergleichen, was Willi-ram mit diesen Sinnbildcreien anfing, um seiner Gelehrsamkeit froh zuwerden, und wie sie hier benutzt sind, um den Kern der christlichen Glau-bens- und Sittenlehre, die Einschärfung der selbstlosen Liebe zu Gottund Menschen und die Zuversicht zu Christus daran zu knüpfen: diesscheint uns an selbstvergessenem religiösem Ernste selbst den Otfried soweit zu übertrcffen, wie Otfried den Williram an Geschmack übertrifft.
Können wir nun diese „Schöpfung" nicht bis in Bischofs Gunther's
IVO) In dem eben angeführten Werke, dessen Einleitnng wir bei der folgendenDarstellung wesentlich verpflichtet sind.