108 Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
sam, den wir vorher in den Mönchen von St. Gallen und Reichenaugefunden hatten; Williram zog von Fulda nach Eberöberg; das Prosa-werk Mcrigarto wie der spätere Phyfiologus weisen uns nach Oester-reich ; in Bamberg tauchten vor nicht lange literarische Prosareste ausdem II. Jahrh. auf. Wenn wir für die Angaben des Gedichtes vonder Klage gläubig sein wollen, so hatte der Bischofs Pilgrin von Passauim 10. Jahrh. für alte und neue Dichtung aufmunternde Sorge ge-tragen. Wir haben nun ferner ein Zeugniß, daß ein Jahrhundert spä-ter in Bamberg, dessen Schule nach dem ausdrücklichen Zeugnisse in dem !Leben des H. Anno^) um die Mitte des 11. Jahrh. an religiöserZucht und wissenschaftlichem Eifer allen anderen in Deutschland voraus- ^ging, der Bischofs Günther (1057—65) die ähnliche Rolle eines Pfle-gers der Dichtung, nur in einem anderen Geiste, gespielt habe. Als er !1065, da man den Weltuntergang erwartete, eine große Pilgerfahrt ausVolk, Adel und Geistlichen nach dem heiligen Grabe führte, war in sei-ner Gesellschaft ein weiser und gelehrter Mann, Namens Ezzo, der einLied von den Wundern Christi in deutscher Sprache verfaßte^); nacheinem zweiten Zeugnisse^) ließ Günther eben diesen Ezzo ein Liedmachen, zu dem ein Willo (es gab einen Abt zu Michclsberg dieses Na- jmens, der 1085 starb) die Weise fand, und das die Wirkung übte, daß >Viele, die es hörten, in den Mönchstand übertraten. Beide Berichte, .über das Mönchwcrden dieser Hörer und über jene Wanderfahrt, ihrenGrund und die Masse der thcilnehmenden (7000) Pilger, lassen auf den !bereits emporschießenden Geist der herannahcnden Kreuzzüge, auf eineeifrig religiöse Bevölkerung und eine fromm erregte Zeit Hindurchblicken,aus der cs von um so größerem Werthe sein müßte, die Dichtungen zu-besitzen, die aus jener Stimmung hecvorgegangcn sein sollen, je dunkleruns bisher ohnehin diese Gegenden und Zeiten in literarischer Beziehung
97) AuS dem I2ten Jahrh. In surius de prodatis Lanetorum kistoriis. Ol.1581. t.VI. x. 784.
98) So erzählt das Leben des BischoffS Altmann von Passau, aus dem I2tenJahrh. in?er, seriptt. rer. anstr. I, II7.
99) In DiemerS deutschen Gedichten des Ilten u. I2ten Jahrh. (Wien 1849)x. 319 beginnt die Rede von den vier Evangelien so :
Den guote discojik 6untere von« Habender«:!!, iler liier macken ein vil guatnerck,
er kier <>i sine pkagken ein guot liel macken.
eines tiedes si befunden, rvant si <1i knock «Kunden.
Lrro kegunde scriben, Wille vant die nise.
dun er die rvise du» genau, dun illen si sick alle muuecken.