Fränkische Zeit.
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doch wesentlich auf die mönchischen Kreise beschränkt. Im großen Gan-zen der Nation litt die geistige Thätigkeit eine Unterbrechung; selbst dasAndenken an den älteren Volksgesang schien sich zu verlieren; für diegeschichtliche und skeptische Tagcsdichtung im Volke, die im 10. Jahrh.blühte und im 12. wiedcrkchrt, findet sich im 11. Jahrh. kaum einZeugniß. Denn jener sclbstgewachsencn, der Geschichte und Zeit vomVolksgesang entlehnten Erzählstoffe einzelner Ereignisse bietet diese ganzePeriode fast keinen; man müßte denn annehmen, daß der Herzog Ernstschon in diesen Zeiten Gegenstand des Gesangs gewesen sei, der sich aberschnell an die Geschichten dcr Ottonen und älterer geschichtlicher Personenanlehnte, wie flüchtend vor diesen Zeiten der Barbarei und der Prosa.
Nur zwei Gegenden an Deutschlands entgegengesetzten Grenzenblieben damals als vereinzelte Zuflnchtstätten für eine Regsamkeit imGebiete der Dichtung übrig. Die eine derselben war in Oesterreich,Steiermark und Kärnthen, wo sich eine Gruppe verwandter Seelen fin-det, die sich in einer verdichteten Frömmigkeit auf biblische und religiöseDichtung warfen, von der zerrütteten Außenwelt zurückgeschreckt auf eininneres, abgezogenes Leben. Die andere Stelle, die wir meinen, ist amNiederrhein und in Belgien, wo damals die Schulen in Lüttich, inLobbe und Gemblours wetteiferten um den ersten Rang und die Aus-länder durch die Vortrcfflichkeit ihrer Lehrer anzogcn. Der Gegensatzder Gesinnung und der aus ihr geflossenen Dichtung dieser Zeit unterden Mönchen dieser entgegengesetzten Lande könnte nicht schärfer undinteressanter sein. Während sich in den südlichen Klöstern Deutschlandsdie Anhänger des Pabstes sammelten, waren dort in Belgien die ge-lehrtesten und beredtesten Vertheidigcr des kaiserlichen Ansehns gegen dieAnmaßungen Roms. In Köln und Lüttich fand Heinrich IV. noch vorseinem Ende in verzweifelter Lage warme Thcilnahme und Hülfe; undin Flandern traten dann im 12. Jahrh. jene lateinischen DichterderFuchs- und Wolfsage ans, deren Einer mit einer so ungeheuren Heftig-keit gegen den römischen Stuhl eifert.
Wir betrachten zuerst die Erscheinungen im Südostcn, die sich anden bisherigen Verlauf und Zustand unserer Literatur nach Zeit undCharakter am engsten anschließen.
Wir haben schon bisher beobachten können, wie die Beschäftigungder Klostergeistlichcn mit der Sprache und Dichtung des deutschen Vol-kes sich in den obcrn Landen von Westen nach Osten allmählig ansbrei-tete. Schon das Muspilli versetzte uns, seiner Sprache nach, nachBaiern; wir sahen alsdann in Tegernsee den volkssinnigen Geist wirk-