Fränkische Zeir.
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Unterrichts, sondern um des Schmucks und des gelehrten Prunks willenbeizubehaltcn. Und was für die verderbte Richtung der Zeit noch be-zeichnender ist, als die Beschaffenheit dieses Werkes, ist sein Erfolg: esist schon um 1057 ins Niederländische übersetzt worden und ist unterallen althochdeutschen Werken in den meisten Abschriften erhalten. Dergeschmacklosen Sprachmengerei Williram's verwandt ist die Mischungdes Reimes in die Prosa, zu der in der lateinischen Literatur das Bei-spiel gegeben war und der man in fast allen Geschichtschreibern derfränkischen Zeit begegnet. Auch in deutsche Prosawerke der Zeit schlichsie sich ein; so in ein weltbeschrcibendes Werk aus dem Anfang des11. Jahrhunderts, das nach einem Capitel in der Encyelopädie Isi-dors (den Etymologien) die Wunder der Natur beschreibt, und von demuns ein Bruchstück erhalten ist'^). Die Reste reiner Prosa aus dieserZeit sind äußerst spärlich, die Proben einer glücklicheren Redegabe bildeneine noch seltnere Ausnahme^).
Den Verfall, in den die Literatur unter den fränkischen Kaisern ge-rieth, erklären hinlänglich die Charaktere und die Schicksale dieser Für-sten, unter welchen Deutschland von dem Kampfe des weltlichen undgeistlichen Prinzips, und den politischen Parteien, die die alte Verfas-sung zu halten oder an ihre Stelle eine anarchische Aristokratie zu setzenstrebten, zerrissen ward. Alles drängte sich nach diesem Mittelpunkte,keinem anderen Bestreben konnten diese Kaiser Raum geben, als wie siesich gegen die Großen feststellen, gegen die Kirche schützen, auf die Städteund niedere Ritterschaft stützen könnten. Ruhm, Glanz, Eroberung,nichts was die Phantasie und die Begeisterung erregt hätte, zeigt sichfast in dem ganzen Jahrhundert; und der Anflug von Schwärmereiunter den Nachbarn, sowohl bei dem Gottcsfrieden in der Mitte, als beidem ersten Kreuzzug am Ende des Jahrhunderts konnte in Deutschlandnicht eindringen. Die Kaiser selbst, von dem zweiten Konrad bis zuHeinrich V. bilden eine Reihe von praktischen, nur auf die Interessendes gewöhnlichen Lebens gerichteten Männern, die für Kunst und höhereGeistesgenüsse keinen Sinn hatten. Konrads Gattin Gisela hatte Not-ker's Psalmen und seinen Hiob sich abschreiben lassen, offenbar nur ineinem religiösen Interesse. Was Heinrich III. für geistige Interessen
93) Unter dem Titel iUsrigarla in Hoffmanns Fundgruben II, I. 1837»
94) Darunter gehört eine geistliche Rede, die die Herrlichkeit der himmlischen Got-tesburg und den Jammer des Höllenreichs schildert. AuS einer Bamberger Hand-schrift mitgetheilt von Neuß in Haupt'S Zeitschrift 3, 443.