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1 (1853)
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Dic Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.

Dichtung wenigstens feierte das 11. Jahrhundert, eine Periode desUngcschmacks, der nüchternen Verhältnisse, der politischen Zerrüttung,beinahe gänzlich. Wo ja noch ein ausgezeichneter Mann thätig ist, wieHermannus Contractus, da ist er entschieden auf das Praktische undVerstandesmäßige gerichtet, aus strenge Wissenschaft, auf Geschichte,Zeitrechnung, Mathematik, Astronomie und Mechanik. Und wo an derGrenze der Zeit noch ausnahmsweise in einem Kloster der frühere Fleißaushält, da ist er auf Werke der Prosa, der Schule, der Gelehrsamkeitgewandt. So war es in St. Gallen im Anfang des 11. Jahrhun-derts. Es ist eine bewundernswürdige Thätigkeit, dic hier der Neffeund Schüler des uns bekannten Ekkehard I., Notker III. Labeo, ent-faltete, der, aller Wissenschaften der Zeit kundig und in vier Sprachenbewandert, Vorsteher der St. Galler Schulen war und nach seinem eig-nen Zeugnisse (in einem Briefe an den Bischofs Hugo II. von Sitten)eine Menge altklassischer, biblischer und anderer Werkes ins Deutscheübersetzte oder übersetzend erklärte. Er hieß von dieser Thätigkeit unterseinen Genossen der Deutsche; aber er brauchte die Sprache nichtmehr zu jenen Volks - und kunstfrcundlichen Zwecken, wie die Ratpertund Ekkehard, sondern nur zum Schulunterricht; seine Schriften sindlauterErpositionen", wo lateinischer und deutscher Tert gemischt incin-anderlaufen zum Zwecke der gegenseitigen Verdeutlichung. Seiner gro-ßen Betriebsamkeit machte die Pest 1022 ein Ende, die ihn mit anderenseiner Brüder hinwegraffte, an dem Tage, wo er seinen Hiob vollendethatte. Sein Beispiel wirkte aus Fulda zurück, wo Williram, einFranke, der seine Schule in Paris gemacht hatte und später Abt vonEbersberg in Baiern wurde (ff 1085), sichtbar von den St. Gallern an-geregt, eine symbolische Auslegung des HohenLiedcs^) schrieb (vor 1040).Er beklagt cs selbst, daß in seinen Tagen Gelehrsamkeit und Bildungherabgesunken sei und gibt in diesem Werke den lebendigen Beweis da-von; er ist geschmacklos genug, die barbarische Mischung lateinischerund deutscher Sätze und Verse nicht wie die St. Galler zum Zwecke des

81) Das Nähere über Notker, der unfern Gegenstand nicht angeht, muß man beiHattemer (Denkmale des Mittelalters 2, I ff.) Nachsehen. Von seinen Werken sind er-halten: die Psalmen; BoethiuS de oonsol. pliil.; Aristoteles' Organon, Kategorienund Hermeneutik; 2 Bücher von Marcianus Capella; und einiges Notkcrn selbst eignesüber Rhethorik und Musik. Verloren sind der Hiob; Virgils Bucolica; die Andriavon Terenz; Cato'S Distichen; Noelbius «Io trinilate, und Anfänge der Arithmetik;Gregors Sittenlehre.

82) eck. Hoffman». Breslau 1827.