1ft2 Die Dichtung in den Hände» der Geistlichkeit.
von Unebenheiten, während der letzte Bearbeiter der homerischen Ge-dichte vielleicht mir wenig der Feile bedurfte, aber die feinste gebrauchte,mn auch die letzte offene Fuge zu verbergen. Die Zusammenfassung deralten Welt in all ihrem Dichten und Treiben und das Ansschweisen derneueren Zeit, die Liebe des Orts und Vaterlands bei den Alten und dieFlucht der Heimat bei unfern Ahnen, die Lebenslust Jener und unsereBeschäftigung mit dem ungewissen Künftigen, die Einhcitsliebe der Al-ten in allen ihren Erzeugnissen der Knust und die Mannichsaltigkcit derNeueren, die Geschlossenheit und Enge der griechischen Zustände und dieWeite und Endlosigkeit der germanischen bedingt diese Unterschiede. Al-les, was die Alten je in der Kunst vollbracht, ist mit dem Enrwurf zu-gleich fertig. So stehen ihre Tempel, irgend einem Gotte geweiht, des-sen Wesen ihrer Einbildungskraft faßlich war, in dem schönsten Einklangdes Innern und Acußern da, dem inncrn und äußern Auge mit EinemBlicke überschaubar. Allein jeder Dom des Mittelalters ward gleich imAnfänge, um ihn des Unendlichen würdig zu machen, mit ricscnmäßigenAnlagen begonnen, als ob er nie fertig werden sollte; was die Geistli-chen mit dem Rundbogen begannen, setzte die Rittcrzeit mit dem Spitz-bogen fort und die industrielle Zeit plackte äußerlich ihre Buden daran.Mit dem Acnßeren Eine einzige Wirkung zu machen, war der deutschenBaukunst und Dichtkunst gleichgültig, der griechischen lag Alles hieran;die neue Architektur baute ungeheure Thürine, deren Thcile dem Augedes Betrachters ganz verschwinden, die alte machte ihre Metopcn undihren Seulpturzicrat in der Höhe großartiger und kühner, um ihn nichtwirkungslos für den Beschauer zu lassen. Daher macht ein Aufriß einesgothischcn Gebäudes, in welchem das Auge die Schönheit und Harmo-nie des Entwurfs in allen Thcilcn leicht verfolgen kann, oft größereWirkung als das Gebäude selbst, einem griechischen Tempel kann ebendies gerade schaden. Genau so istS mit den Epen. Endlose Verse, be-sonders in den Kunstepcn, alle mit gleicher Kunst und Liebe behandelt,aber unmöglich zu überblicken, bis man sie zerlegt; lauter vereinzelteHerrlichkeiten, selbst im Ariost; Homer dagegen eine einzige Gruppe.Ein geistreicher Auszug kann trefflich beitragen, in den Geist eines mit-teldeutschen Epos cinznführen, am Homer kann er einem den Geschmackverderben. Mit der Betrachtung der Form und des Aeußercn, was diePhantasie ergreift, hört beiden griechischen Künsten die Wirkung ans;hier fängt die der deutschen, möchte man sagen, erst an. Man muß diegothische Kirche im Innern betrachten, dort beginnt ihre Größe; undim deutschen Gedicht muß man die Ideen suchen, um Achtung davor zu