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1 (1853)
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100 Die Dichtung in dm Händen der Geistlichkeit.

begann, begann auch der Verfall der Dichtkunst. Nichts änderte dieZeit an dem Volksgedicht der Joncr, als die Form. Die hellenischeMuse hielt in dem alten EpoS den Stoff und seine Erscheinung, rück-wärts schauend, unverändert fest; sie kehrte der jüngeren Zeit den Rük-ken, um die ideale Gestalt, die sie jener Hcldcnwelt abgewonnen, höch-stens in den Reiz der gebildeteren Sprache späterer Zeiten zu kleiden,daö Einzige, was sie der fortschreitenden Zeit überhaupt abnahm undwobei sie sich gleichwohl nicht so weit wagte, den Dialekt der ursprüng-lichen Ucberlieferung mit dem attischen zu vertauschen. Genau so ent-kleidete die bildende Kunst die Heroen der alten Zeit allmählig ihrer Rü-stungen und Gewände, bis sie, unterstützt von der seit Orsippos' Sieg inder 15. Olympiade eingeführtcn Sitte ungcgürtet in den Wettkampf zutreten, die nackte Form ergriff, hinfort sesthielt und von der trockenenTreue und den strengen Umrissen zur ideellen Wahrheit und jenen milde-ren Eontouren überführte, die nicht blos den Sinnen Beschäftigunggeben.

Ganz anders entwickelte sich das deutsche Epos. Wir fanden, daßauch hier eine einzige ungeheure Begebenheit den Mittelpunkt bildete;daß auch hier jene Völkerwanderung die Zeit ausmacht, in welcher derKern des ganzen Sagenkreises zu suchen ist. Allein welch eine Zeit istdies schon! Gleich die Haupthelden, jene Hermanrich, Etzel und Diet-rich trennen geschichtlich mehrere Jahrhunderte von einander! Weit ent-fernt, daß hier die Sitte der ursprünglichen Entstehungszeit festgchaltcnwurde, so ist aus den Grund einer ächten Heldenzeit nachher Christcn-thum und Ritterwesen aufgetragen, Alles was im Staat, in der Kirche,in der Heimat und Fremde geschah, Entdeckungen von Ländern, Ein-führungen von fremden Kostbarkeiten, Alles und Jedes fand Eingangund ward so verwebt, als ob cs ursprünglich dazu gehört hätte. Woein geschichtlicher Name auf geschichtlichen Stoff rathen läßt, tritt gleichvor dem näher zusehenden Auge Alles in desto liefere Dunkelheit zurück;wo, wie im ersten Theile der Nibelungen, eine viel ältere Sage zu einerschon neueren Gattung hinzugczogcn wurde, ward auch sic dem Mittel-punkt mit dem ewig wiederkehrendcn Anachronismus gleichgestellt, undhart an die Züge eines wilden SchlangcntödtcrS, die aus der Fremdeoder aus Urzeiten herstammten, traten die eines empfindungsvollen Rit-ters des 13. Jahrhunderts. Weit entfernt, daß die höfischen Ritter des13. Jahrhunderts, die Tragiker des Mittelalters, die alten Sitten undSagen festgchalten hätten, so empörtem sie sich dagegen; und was dieSage selbst angeht, so fing sie gleich im Fortgang der Zeiten an, sich mit