Volksdichtungen in latcin. Bearbeitung.
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daß sie jede neue Idee jeder folgenden Zeit in sich aufnchmen, jede neueForm, die diese mit sich bringt, ausfüllen können, gehen auf diese Weisevon Hand zu Hand, von Jahrhundert zu Jahrhundert; man behält siein jedem Wechsel lieb, man gestaltet sie um und überliefert sic dem fol-genden Gcschlcchte; hundert geschäftige Geister versuchen sich daran;selbst wenn sie schon die letzte Gestalt erhalten haben, die Alles zu er-schöpfen scheint, unterbleibt das leichtere Ucberarbcitcn nicht. Dieseausdauernde Natur bedingt allein eines Gedichtes Volksmäßigkeit, undwird ihrerseits wieder bedingt durch die innere Abgeschlossenheit des Ge-dichts und deö in ihm dargestellten Inhalts, den wir nicht zu entstellenwagen, den jeder Dichter oder Ordner, der später seine Hände daranlegt, nur mit Scheu in seine Sprache überträgt, ohne an den Kern zutasten.
Diese Fortbildung des Volkögedichtes geschieht aber in verschiede-nen Nationen sehr verschieden. In Griechenland verdunkelten die Ge-sänge vom Trvjanerzug jede andere Sage; ihr Inhalt blieb hinfort derLicblingsgesang der Nation. So oft und vielfach sie nmgcstaltet seinmögen, so vielfach sich unter Joncrn und Dorern und Attikern Spracheund Vortrag geändert haben mag, immer blieb die Zeit des Trojaner-kricgS und ihre Sitte unverändert, ja die Sage selbst im Ganzen wardwenig umgestaltet. Von späterer Verfassung, Ncligionsansicht, Dich-tung und Sage ist keine Spur, vielleicht einige geographische und ethno-logische Einschaltungen, aber diese so einzeln und leicht herauszuscheiden,daß cs kaum der Rede werth ist. Der reichste poetische und geschichtlicheStoff, der ihr ursprünglich nicht angchörte, legte sich um die Trojaner-sage an, allein immer ist er aus der Vergangenheit, immer ohne Ver-stoß gegen Zeiten und Räume dargestellt; manches so sehr der Wirklich-keit des Lebens und den anderweitigen Zeugnissen der Geschichte entspre-chend, daß man ihm in alter und neuer Zeit historische Geltung zu-schrieb; anderes poetisch die Züge älterer Zeiten entwerfend, so daß mandie Verschiedenheit der Menschen und Zeiten sicht oder ahnt, wenn vonden Thebaner-Helden, von Herakles, von den Lapithcn und Kentauren,von den Titanen und Urgöttern die Rede ist. Jede alte Thatsa che,die sich fügte, ward cinverwcbt; aber immer stand man in der Trojancr-zeit fest, hielt und behauptete ihren Einen Charakter und bildete dieseHeroenwelt so gediegen aus, daß nicht allein kein späterer Bearbeiterder Trojanersagc, nein, daß selbst die älteren und besseren Tragiker nichtwagten, neue Sitten an die Stelle der alten zu setzen und in die Dich-tung die Farbe des späteren Lebens zu bringen; als dies im Enripideö