Volksdichtungen in latei». Bearbeitung.
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Herzog Ernst floß aus einer älteren lateinischen Quelle. Sehr früh magSalomon und Morols in Deutschland eine lateinische Bearbeitung erhal-ten haben. Wollte man lateinische Legenden (wie den Gregorius, vondem Leo ein Bruchstück entdeckt hat^) und Umarbeitungen altklassischerMythen und Geschichten hinzunehmen, die ans dem Anslande cingeführtund behandelt worden sein mochten, und erinnert man sich an jene wei-tern Bearbeitungen des Walther und an so vieles Andere, so sieht man,wie thätig die Geistlichkeit sich eine lange Zeit mit der lateinischen Dich-tung beschäftigt hat. Selbst jene geschichtlichen Gelegenheitsgedichte konn-ten ins Lateinische übergehen und in dieser Sprache fortdauern bis aufdie Hohenstaufen; wir haben aus den Zeiten, in denen wir stehen, dasBeispiel eines halb deutschen halb lateinischen Leichs auf die VersöhnungQtto's I. mit seinem Bruder Heinrich im Jahr 94l und einen lateini-schen Trauergesang auf Heinrichs II. Tod 1074^°). Daß auch selbst dievolksmäßigsten aller Lieder, „die auf Straßen und Wcgschciden erschol-len", die Schnurren und Schwänke, die Spott- und Loblieder ans dieZeitgenossen, dem Volke entlehnt wurden, daß die Geistlichen in lateini-schem Muthwillcn die schmutzigen Gegenstände jetzt behandelten, die siesonst angefochtenhatten, und dieFormen derLitaneien, Messen, Conciliendazu mißbrauchten, dies beweist am stärksten für die allumfassenden Ein-griffe der Geistlichen in die Dichtung. Aber entziehen konnten sie, wenig-stens jene uralte und eingewöhnte Liedcrart, dem Volke doch nicht ganz.Wir wissen, daß viele geschichtliche Figuren jener Zeiten noch immer inden Volksgesang übergingen, und erinnern nur beispielsweise an die Lie-der von Hatto's Vercath au Adalbert v. Babenberg (I. 904), die nochim l2. Jahrhundert gesungen wurden; von dem Grafen Kvurad Kurz-bold vom Nicderlahngau (ff 948), der ganz wie ein Riesen- und Löwen-schläger, als Weiberhasser und Raufbold in Sage und Geschichteerscheint; an die Gesänge von dem heiligen Ulrich und seinen Wundern,und von Benno's Verdiensten in Ungarn unter Heinrich UI. Daß KönigOtto der Rothe in Gedichte überging, beweist der Herzog Ernst (der selbsthier hinzugefügt werden darf) und eine Erzählung Konrads von Würz-bucg; und der geschichtliche Bischof Pilgrin von Passau erscheint in denNibelungen.
84) Lit. Unterhaltungsblätter 1837. Dez.
8ä) Der elftere von Lachmann heransgegeben in Nanke's Jahrb. des d. Reichsunter den sächsischen Kaisern, l, 8. 1839. Der andere in Grimms und Schmetters lat.Gedichten des III.—II. Jahrh. 1838.