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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
Vaterunser Drollig nachspricht und bei einer Dohle, die den heimkchren-den Ruodlicb mit einem Willkomm begrüßt, dies Alles sind Dinge, diedem Stoffe nach fremden Bcischmack haben, und die ihre Analogien amreichsten im St. Oswald und Herzog Ernst finden, in den so vieles An-tike cingcgangen ist, und in der Aeneidc Veldcke's, die mit Ruodlicb dieGrenzsteine der Zeit bildet, innerhalb welcher sich diese halb gelehrte halbvolksmäßige, halb lateinische halb deutsche, fremde und einheimische,übersetzte und originale, durchaus nicht rein entwickelte Gattung vonDichtungen bewegt.
Das Hauptkennzeichen des gemischten Charakters der Dichtungendieser Zeit, unter denen Ruodlicb gleichsam den romantischen Geschmackeinlcitct, Waltharins den heroischen verabschiedet, bleibt ihre lateinischeAbfassung. In diesen Jahrhunderten <40.—12.) blühte die lateinischeDichtung, wie in dem Refvrmationszcitalter, als beidemalc die deutscheverstummt oder verbauert war. Sie bildet die Brücke von der unter-gehenden althochdeutschen Poesie eines Geschlechtes heidenmäßiger Na-tnrsöhne zu der mittelhochdeutschen des Ritterstandes. Wir haben ausdiesen Zeiten die lateinischen Schauspiele der Hroswitha. Wir habenvon eben dieser Nonne, von dem Kanzler Wippo und Anderen latei-nische Pancgyrikcn der Fürsten; sie sind in der sächsischen oder fränkischenZeit in großer Menge vorhanden; und meist ist ihnen, wie dem desWippo, das Gepräge des, klassischen aufgedrückt, das jedoch im Laufeder Zeit immer mehr hinter volkömäßigc Eigenthümlichkeit, hinter ge-reimte Hexameter, Mischung des prosaischen und poetischen Stils, Bom-bast und Spielereien zurücktritt und verschwindet. Diesen dramatischenund geschichtlichen Werken schloß sich dann eine große epische Literatur inlateinischer Sprache an, von der wir eine Menge Zeugnisse übrig haben.Sehr viele unserer Dichtungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert ver-weisen auf lateinische Quellen, die der Natur der Sache nach ins 11.und 10. Jahrhundert zurückleiten. Von den meisten der späterhin in derVolkssprache verfaßten, nicht von Westen her entlehnten Erzählungen istausdrücklich gesagt, daß sie früher in lateinischer Zunge geschriebenwaren; und wie viele jener lateinischen Schulbcarbeitungen älterer deut-scher Gedichte, wie des Walther, mögen uns verloren gegangen sein!Bis ins 11. oder selbst 10. Jahrhundert glaubt Grimm lateinische Bear-beitungen der Thiersage vom Wolf zurücksetzen zu können. Otto's I.Ungarnkriege sollen auf Betrieb Pilgrin's von Passau in einem, manweiß zwar nicht gewiß, ob lateinischen Gedichte besungen worden sein.Seinen Otto den Rothen dichtete Konrad nach einem lateinischen Werke.