!)0 Dic Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
fuhr, sinkt hier Walther sogleich von seinem Gewissen getroffen zu Bodenund bittet in Demuth um Vergebung; nach glücklich bestandenem Kam-pfe betet er in frommem Danke. Zu diesem Allem bildet nun dic Be-handlung den bestimmtesten Gegensatz. Sie ist ganz antik und nach-gcahmt; der Dichter kennt und benutzt den Virgil; er kennt und erinnertan Homer; er kennt den siebenhäutigen Sticrschild, und den Pandarusund die alte Mythologie. Er weiß aus Homer, der die ähnlichen Sittenschildert, den Hauch eines ächten heroischen Gedichts über sein unbehol-fenes Latein, soweit das gehen will, hinzugießen. In der Beschreibungseiner vielen Einzclkämpfc, dieweil vor denen im Rosengarten an Man-nichfaltigkeit und Besonderheit vorausgehcn, ist Alles voll Leben, vollWechsel, voll Farbe aus den Alten, so wenig sie sklavisch benutzt sind.So ist's auch mit seinen Bildern, die ausgeführt sind in Homers Weise,wie sie die spätem deutschen Dichter nicht kennen. Und wie glücklich w"ißer dergleichen anzubringen! Im Anfänge träumt cs Hagen, daß er sichund den König im gefährlichen Kampfe mit einem Bären gesehen. Ganzüberraschend ist nun, wie am Schluß, wo beide in den Kampf mit Wal-ther gerathen, der Dichter, ohne auf den Traum znrückzuweisen, den ein-gefallenen Walther in ausgemaltcm Bilde mit einem numidischen vonHunden gehetzten Bären vergleicht. Wie sehr steht gegen diese anspruch-lose, reine, ihrem Stoffe nach so ächte und einfache Erzählung, die,wenn sic ähnlich im deutschen Gedichte lautete, uns einen sehr vortheil-haften Begriff von dem Volksepos jener Zeit gäbe, die gleiche Sage,wie sie schon Ein Jahrhundert später in der Chronik von Novalesevorkommt, im Gegensatz! Ein neuer Beweis, wie das Aeltere überalldas Einfachere und Verständigere gewesen ist. Da ist Walthers Ritter-lichkeit auf der einen Seite, und auf der andern seine Frömmigkeit schonins Weiteste getrieben; da spuken schon alle Geschichten von solchenfrommen Eisenfressern, wie der Samson der Bibel und der Ulsan derspätem Dichtung, und der Held stirbt da als Mönch; ein Zug, der viel-leicht aus der Sage von Guillaume d'Orenge ans Walther übertragenward. In einer anderen lateinischen Bearbeitung der Sage in Distichen,welche das Chronieon von Novalese anführt, dic also noch etwas älterist, ist er am Indus gewesen und hat den Westen und Osten berührt underschreckt^"). In der Viltinasage ist hingegen die gleichgültige Versetzung
79) Itlui-al. r. II. p. II.
80) II>i<I. col. 704.
WuNIiri'ius ioMs, ^usin nullus te> ruir Iiostls,eollL su^erliL domans, vleloi' ad asUa vvlans.