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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.
Volk früher und inniger die klassische Literatur dieser alten Sprache ange-faßt, sich ihren Geist vertrauter gemacht und für die eigene Bildunggrößer» Vortheil daraus gezogen, als das deutsche. Noch unsere größtenDichter der neuesten Zeit sind nur durch die eigene Verschmelzung derantiken und deutschen Anlage jeder in seiner Art groß geworden; jenegroßen Kaiser der altenZeit sind es durch nichts anderes. In allen mögli-chen Verhätnissen läßt sich in der Ottonischen Zeit diese Verbindung desAntiken und Deutschen Nachweisen, ob man nun jene Bestimmungen desKirchcnjahrs anführcn will, die aus Nordischem und Deutschem, auS Rö-mischem und Jüdischem, aus Christlichem und Heidnischem gemischt sind;oder ob man die Geschichtschreibung eines Wituchind geltend macht, der sei-nen acht deutschen Stoff in römisches Gewand kleidet, lateinische Schrift-steller benutzt, und, statt wie die früheren Chronisten biblische Redens-arten brauchten, lateinische anwcndct, die man ihm allzuost als baareMünze abgenommen hat; oder ob man in der Baukunst jene Dome inWorms und Spcicr betrachtet, mit der durchdringenden Idee eines deut-schen christlichen Tempels, der innere Geschlossenheit und Erhebung ver-langt und von dem Bcdürfniß der Musik bestimmt wird, daneben mitihren römischen Formen, horizontalen Linien, Halbkreisen und flacherenDächern; oder ob man das lateinische epische G edicht v on W a lth erv. Aquitanien in Anschlag bringt, das uns hier näher angeht^).
Es ist von Eckehard I. in St. Gallen (ff 973) zwischen 920 — 40verfertigt und geht uns hier als lateinisches Gedicht nicht an, wohl abernach seinem deutschen Stoff, der dem Dichter unstreitig in einem deut-schen Gedichte vorlag, oder von einem deutschen Sänger mitgethciltward^). Es ist von dem Verfasser in seiner Jugend als Schnlübunggeschrieben, was streng nach dem Worte verstanden, nicht mit einem Sei-tenblick aus den Werth des Gedichtes nachgesprochen werden muß. Dennobzwar in der Schule, ist es doch mit offenbarer Liebe an der Sachegedichtet, und Jacob Grimm hat dieser Arbeit ihre Ehre gegeben. Ecke-
76) In I. GrimmS und Schmetters latein. Gedd. des 10.—11. Jahrhunderts.Deutsch von Klemm.
77) In einem Prologe der Pariser und Brüsseler Hs. nennt sich ein Geraldus alsVerfasser. S. I. Grimm a. a. O. g. 59 sgg. und v. Reiffenberg in den bulletins del'aoad. ro;al« de Ni'uxeUes. I. V. g. 612 f. Die beiden zeitgenössischen St. Gal-lischen Mönche werden das Gedicht wohl in Gemeinschaft verfaßt, Geraldus vielleichtschon vor Eckehard IV. daran gebessert haben. Vgl. A. Gehder, in Haupts Z.9, IsOff.,wo der eitle Versuch Fauriels (in seiner Geschichte der provenzalischcn Dichtung), demWaltharius romanischen Ursprung beizulegen, zurückgewiesen ist.