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1 (1853)
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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.

2. Ottonische Zeit. Volksdichtungen in lateinischerBearbeitung.

Das engere Verhältnis der Geistlichkeit znm Volke, dessen wir obengedachten, erhielt sich auch unter den Ottonen, obgleich hier neue Mo-mente hinzutratcn. Der schöne Anflug von Begeisterung für die alt-klassische Literatur, der durch Karls des Großen Eifer in Klöstern undSchulen erweckt ward, so daß schon Otfried den Ansdruck gebrauchenkonnte, die Welt würde von den Gedichten der Lateiner bewegt, dieserschöne Anflug kehrte unter den sächsischen Kaisern lebhafter wieder. DieIdeen der beiden großen Fürsten, Karls nndOtto'sl., das römische Kai-serreich heczustellen, ihr großartiger Ucberblick der Zeiten und der Ver-hältnisse, das Bestreben der Ottonen, ein vereintes deutsches Weltreichim Westen, ähnlich dem griechischen im Osten zu gründen, bewirkte, daßsich zweimal das Alte und Neue inniger die Hand reichte, als cs sonstleicht geschehen ist. Wie unter Karl sehen wir auch unter den sächsischenKaisern eine Menge von neuen Klöstern und Schulen hcrvortreten inCöln, Utrecht, Mainz, Brünn, Corvey, Trier, Paderborn, Hildeshcimund sonst. Wie Karl der Große von Lateinern, von Gelehrten umgebenwar und seinen Aleuin berief, so Otto seinen Rather, seinen Gerbcrt,seinen Gunzo, der eine Menge von Klassikern, der außer den längst be-kannten Lateinern auch Plato und Homer mit sich brachte. Otto I. selbstgab sich noch spät dem Lernen und der Aufmerksamkeit ans diese fremdenStudien hin; Otto II. war mit einer griechischen Prinzessin vermähltund von Griechen umgeben, Otto III. der griechischen Sprache ganzmächtig. So war Heinrichs von Baiern Tochter, die Gemahlin HerzogBurchards II. von Schwaben, Hedwig, die früher dem griechischen Kai-ser bestimmt war, eine Kennerin des Griechischen, sie gewann ihren Gat-ten für ihre Studien und las mit Liebe Virgil und Horaz. War manhier und da auch gegen die Klassiker, so zeigt doch selbst die Art, wie dieberühmte NonneHroswitha, von der Aebtissin Gerberge in Gandersheimmit den Alten bekannt gemacht, den Tercnz zu verdrängen suchte, wievertrant sie selbst damit war, und wie eingedrnngcn die Lateiner in dieKlöster waren, was auch durch die vielfachen Nachrichten, daß Nonnendamals sich mit Abschreiben beschäftigten, bestätigt wird. Otto'S I.Bruder Bruno, Erzbischof von Cöln, las beide alte Sprachen und führteselbst auf Reisen seine Bücher mit; er ließ Lehrer der griechischen Spracheaus Griechenland'kommen und griechische Werkmeister wurden im 10.