j
si
.s
Christl. Dichtungen im neunten Johrh. 85
singt ein heiliges Lied, Alle zusammen singen Kyrie eleison. Nun erstfolgt in einer schönen und gehobenen Stelle eine kurze Beschreibung derSchlacht.selbst, die das ganze angelsächsische Lied süllt, das uns dortmit den Theilen des siegenden und besiegten Heeres bekannt macht, mitden Führern und Erschlagenen, das den Fliehenden und Verfolgendenbegleitet, die Sieger und Besiegten heimführt; wo der Deutsche amSchlüsse fromm ein Siegestedeum austimmt, jubelt der Angelsachse, wieder Ragnar Lodbrokgesang, daß Raben, Adlern und Wölfen ans demSchlachtfelde ein Mahl bereitet sei; wo der Deutsche ein Stoßgebet zumSchluß gibt, blickt jener stolz auf die Thaten der Ahnen zurück. Es fälltaus diesen Gegensätzen in die Augen, daß das deutsche Lied das Werkeines Geistlichen ist. Dies aber benimmt seiner Volksmäßigkeit durchausnichts. Es gibt, wie es vorliegt, eine vortreffliche Erläuterung zu demHergang bei jenen Schlachten auf dem Lechfelde oder bei Birthen, woganz dieselben christlichenVorbereitungcn erschienen, Abendmahl, frommerGesang, Kreuztragung, Litanei und Tedcum, wie sie unser Lied ungefährschildert. Auf dessen Verfasser ist neuerdings fast mit Gewißheit gerathenworden. Es wäre der Mönch Huebald, der mit dem besungenen Königein Beziehungen stand, der nach bestimmten Zeugnissen Legenden schriebund Lieder (cantilengs) dichtete, und um die Zeit der Schlacht in demKloster St. Amand für l'Elnon lebte (j-937), woher die Handschriftunsers Gedichtes stammt, die wahrscheinlich eine Urschrift ist^). Indiesem Kloster muß im 9. und 10. Jahrhundert unter dem Schutze Karlsdes Kahlen und seiner Söhne ein so schönes Bestreben geherrscht haben,wie in St. Gallen und andern deutschen Klöstern; wenigstens werdenHucbalds und seines Oheims Milo Dichtung und Philosophie erstaun-lich gerühmt, und da von ihren Schriften welche erhalten sind, so wärees von großer Wichtigkeit, diesen nachzuspüren
74) Vgl. WillemS in Holtmanns Llnonensin x. 1k. Hoffman» entdeckte die Hs.in der öffentlichen Bibliothek in ValencienneS wieder, und erbeutete dadurch zugleichdas älteste poetische Denkmal der französischen Literatur, die Legende von St. Eulalia.Sie ist von Hucbald's Hand geschrieben wie das Ludwigslied, und dieser Fund beweist,daß damals wie in Belgien so in den alten Bisthümern von Cambrai, Arras, Tournaiund Therouaune das Deutsche neben dem Französischen gesprochen ward. Man weiß,daß dies noch längerhin dauerte, und daß früher im 7. Jahrh. Bischöfe in Tournairomanisch und deutsch predigten. Vgl. vinnux, tronveres de In kdandre et duBournais. g. 6.
75) Vergl» die Anhänge zu der lllironigue de Uonsk.es, edl de kelllenberg518