Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
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Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.

Vor Karls des Großen Zeit hatte das Christenlhnm unter denGermanischen Völkern die Blüte der Geistesbildung und menschlichenSitte nur in sehr einzelnen AnSnahmöfällen entfalten können. Die heid-nische Wildheit in den Massen war noch zu wenig gebrochen, der lehren-den Priester waren zu wenige, und diese Wenigen selber allzu sitten- undbildnngslos. Von der wüsten Beschaffenheit des fränkischen Clerusvor Karl zu schweigen, so erlebte noch der große Kaiser durch sein ganzesLeben selbst unter seinen höchsten Geistlichen die zahllosen Beispiele einerunsäglichen Rohheit, die er mit allen Mitteln auözutilgen strebte. Seitseiner großen Fürsorge änderten sich dann diese Zustände mehr und mehrznm Besseren, und von da bis zu den Zeiten hin, wo der Fanatismusder Kreuzzüge anöbrach und die römische Hierarchie ihre Ausbildungfand, war die köstliche Zwischenzeit gelegen, wo das Christenthum ersteigentlich eindrang in das Gcmeingesühl und Gemüth der Deutschen,wo auf dem Grunde ihrer geistigen Unmündigkeit ein frommer Glaubealle die Einfalt und Unschuld, die Aufgebung und Selbstverleugnungunter Adel und Volk erzeugte, die Eigenschaften und Tugenden, die derächten Religiosität segenvollste Früchte sind. Noch hatte damals der rö-mische Ehrgeiz keine welterschütternden Spaltungen zwischen Kirche undStaat geworfen; noch war die Gläubigkeit durch Sekten wenig beirrt;noch gab es keine Kreuzzüge, die neben dem frommen Eifer des christlichenStreites die unlautersten Nebenabsichten erweckten; aber an der Gränzegab es jene Kämpfe mit den heidnischen Normannen, Ungarn und Sla-ven, die alle geistlichen und weltlichen Kräfte zu einträchtigem Gcmein-wirkeu herausforderten, wo es dem Abt und dem Burgherrn, dem Land-mann und dem Fürsten gleich galt um die Behauptung seines Besitzesund um die Vertheidigung von Vaterland und Religion. Ans dieserUnterlage eines großen Gemeinbedürfnisses, wo der Geistliche für denStaat, der Laie für die Kirche wetteifernd seine Kräfte einsetzte, fand derspätere Rangstreit und die Ständecifersucht zwischen Geistlichkeit undRitterschaft noch keinen Raum. Noch sah man den fortschreitenden Ver-suchen des Clerus, den Beichtstuhl neben den Richterstuhl, den Kruiuin-stab neben das Seepter zu rücken, ohne Mißtrauen zu; man gab seineNeigungen selbst an die launenhaften Forderungen der Religion gefan-gen; und sorglos verschenkte man, in frommer Büßfertigkeit, Hab undGut an Kirche und Klöster dahin. Die Stände durchdrungen sich inner-lichst; es ward der Ritter zum Mönche, und der Mönch zum Ritter; derKriegsmann wetteiferte in den frömmsten Andachtsübungcn mit demGeistlichen und dieser mit jenem in Jagd und Baitze und in fröhlichem Le-