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1 (1853)
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Ehristl. Dichtungen im nennten Zahrh.

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bcn; dieDomschulen traten neben dieKlosterschulcn, wo nun auch für dieLaien Bilvuug und Gelehrsamkeit vermittelt wurde; besonders war derVerband zwischen Adel und Geistlichkeit auch durch die Kanoniker ge-fördert, die nicht vom weltlichen Besitze ausgeschlossen waren und demLe-ben, den menschlichen Bedürfnissen und dem Frauenumgang näher standen.

So lag denn damals auch zwischen Geistlichkeit und Volk eine ge-ringere Kluft; das rohste Volkslied wachte schmähend auf die Sitten derGeistlichen, die sittlicheren Geistlichen wachten umgekehrt auf die unfeinenLieder im Volke. Sie fuhren fort, die zahllosen Liebeslieder, die Spott-gcsänge, die Reste heidnischer Gewohnheiten bei Tänzen und Begräb-nissen, die Zauberlicdcr und Beschwörungsformeln, von denen uns durcheben diesen feindlichen Eifer der Geistlichen Viele erhalten sind^°), zuverfolgen. Aber während sic sich diesen Boden eroberten, ging es ihnenwie den meisten Eroberern; die Kultur des eroberten Gebiets überwältigtesie selbst; unwillkührlich begannen sie die Form selber zu hegen und zupflegen, deren früherer Inhalt ihnen anstößig war. Indem sie dieses An-stößige zu beseitigen suchten, bemächtigten sie sich der Dichtung in derVolkssprache selbst als eines Mittels, um in ihr das angcfeindete Heid-nische durch ein besseres Christliches zu verdrängen. In solcher Absichtwar Otfricds großes Werk entstanden; in derselben Absicht mögen auchdie kleineren sangbaren Stücke verfaßt sein, von denen uns aus dem

0. Jahrh. einiges erhalten ist, zu unbedeutend, um hier eure ausführ-lichere Erwähnung zu verdienen. Es sind Gesänge christlichenJnhalts'*);nicht gleichstrophige, zu wiedcrkehrender Melodie gedichtete Lieder, son-dern Leiche von ungleichen, 4 6 und mehrzciligen Absätzen, in denendie Melodie wechselte. Diese Gattung, die erst in der Minnesängerzcitkunstreichere Ausbildung erhielt, glaubt Lachmaun und Andere aus denSequenzen und Prosen der Kirche entlehnt, die um jene Zeiten von demSt. Galler Notker Balbulus (ch 012) und seinen Schülern aufgebracht,

70) Maßmann, die deutschen AbschwörnngS-, Glaubens-, Beicht-und Vetformclnvom 8 12. Jahrh. 1839. Die merkwürdigsten sind die beiden sogenannten Merse-burger Gedichte von ganz heidnischem, für die Mythologie bedeutendem Inhalte, bei

1. Grimm, über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen HeidenthumS.Berlin I8L2.

7!) Ein'Lobgesang auf den heilige» Petrus ; eine Bearbeitung des 139. Psalms;Bruchstücke einer Erzählung von Christus und der Samariterin und einer Legende vonSt. Georg, die sich in den größeren Lesebüchern von Wackernagel und Güdeke leichtNachsehen lassen. Eine Legende von St, Gallus hatte der Mönch Natpert (st bald nach897) gedichtet, sie ist aber nur in der späteren lateinischen Uebersetzung von Eckehard IV.erhalten. S. Hattemer'S Denkmale des Mittelalters I, 340.