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1 (1853)
Entstehung
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80
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80 Die Dichtung in den Händen der Geistlichkeit.

den Flacius und Gassarus hervorgesucht und bestaunt worden. Bewun-dern kann man auch in diesen literarischen, wie in den malerischen Wer-ken der Mönche die Ausdauer, den guten Willen und das Gleichmaß,mit dem sie die Arbeit ihres Lebens an Ein solches Denkmal ihres Fleißessetzten. Immer wird Otfrieds Werk ein merkwürdiges Zeugniß von jenerBlüte der klösterlichen Gelehrsamkeit in der Schweiz und an ihren Gren-zen bleiben, jener wahrhaft poetischen Erhebung und Begeisterung inSt. Gallen, die das griechische und lateinische Alterthnm, die Gramma-tiker, die Poeten und Philosophen beider Sprachen, und, wie wir baldsehen werden, sogar die weltliche vaterländische Dichtkunst umfaßte. VonSeiten der Dichtung aber hätte man dergleichen nie bewundern sollen.Die eifrigsten Vcrtheidiger der Mönchs - und Klostcrbildung, die zu allenZeiten Werke von mühsamer Gelehrsamkeit zum Erstaunen hcrvorgc-bracht hat, können nicht behaupten wollen, daß die Klöster zugleich ge-deihliche Pflanzstätten der Dichtung und Kunst gewesen seien, welcheKcnntniß der Welt und der Menschen, ihrer freiesten unbeschränktestenNatur, ihrer Leidenschaften und Genüsse erfordert. Nur solche Werke,die durch Abgeschiedenheit, durch ungestörte Ruhe, durch langen undmühseligen Fleiß gefördert werden, oder aus beschaulicher Betrachtungfließen, können in Klöstern gedeihen; was diese Betrachtung und jenerFleiß in Otfrieds Werke leisten konnte, kann man erkennen, ohne sich zueiner Wärme zu zwingen, der nichts mehr in uns entspricht. Vergäng-licher Ruhm und Glanz war mit einem solchen Werke nicht zu gewinnen,aber Heil für die Seele; es kam nicht ans die äußere Gestalt an, sondernauf die innere Weihe; und konnte der Dichter mit seiner frommen Hei-terkeit und seinem Seelenfrieden die ähnliche fromme Vergnüglichkeit inseinem Leser erwecken, was zu einer Zeit nicht schwer war, wo jede soangeschlagene Saite im Gcmüthc der gläubigen Menschen anklang, sowar jeder höchste Zweck erreicht. Die Mönche retteten Wissenschaft undPhilosophie, die Jahrhunderte lang das Licht der Welt scheuten, alleinderPoesie brauchten sie sich nicht anzunehmen; denn sie scheut dieses Lichtnicht und gedeiht vielmehr nur in der Frische und Blüte des Lebens.Neberall schreckt uns hier die unbeholfene und ermüdende Breite, dieFlachheit und Gewöhnlichkeit der Gedanken, die allen Eindruck schwächt,sogar den, welchen der Stoff an und für sich machen könnte. Wer unsglauben machen will, daß in Otfrieds Werke wirklich poetischer Werthoder auch nur einzelne poetische Stellen sind, der muß in seinen An-sprüchen auf Dichtkunst zu einer Genügsamkeit gekommen sein, die Nie-mand wird theilen wollen, der an dem ächten Quell reiner Kunst geschöpft